Mi.. Juli 29th, 2026

Ich startete nach dem Frühstück. Irgendwie wollte ich nicht loskommen und machte mir Gedanken über die weitere Planung: wenn ich heute bis Lyon fahre, sind es fast 150 km, also etwa 100km, morgen einen kurzen Tag und dann Lyon anschauen. Endlich hatte ich einen Plan. Aus dem Ort hinaus ging es gleich wieder 200 Höhenmeter aufwärts, doch ich merke, wie es mir immer einfacher wird, solche Steigungen zu überwinden. Man könnte es auch so zusammenfassen: Bauch schrumpft, Muskel und Ausdauer wachsen.

Anschließend geht es mindestens die Höhenmeter hinab über schöne Abfahrten durch Eichenwaldbeschattung und Obstbaulandschaft wieder bis auf Rhoneniveau. Ich fühle mich fast an Südtirol erinnert mit den Bergen im Hintergrund, nur weiter weg und die Berge etwas anders bewaldet.

Ich erreiche den Ort Seyssel, wo gerade Markt stattfindet, da kommt mir die Idee: ich besorge mir heute für ein Picknick einen halben gegrillten Bauerngockel, Tomaten, und ein Baguette. Als Selbstversorger bin ich dann für schwierige Zeiten gewappnet. Einen Pilgerstempel gibt es gratis dazu im örtlichen Tourismusbüro.

Der Weg ist mehr als dürftig beschrieben, wo mich die Navi durch verschiedene Staustufen an der Rhone navigiert.

2023 waren wir, d. h. Andi, Ivo und Martina, in der Schweiz und sind von Andermatt zum Rhonegletscher am Furkapass getreten.

Jetzt trete ich weiter unten wieder an der Rhone und verliere mich wiedereinmal auf einer  Rhoneinsel auf der ich anscheinend viel Kilometer wieder über holprige Feldweg zurück muss. Aber als Selbstversorger in der Mittagspause kann man unter einem schattigen Baum mit den Vorräten kulinarischen Motivationsaufbau bei einer kleinen Siesta betreiben. Alles nicht so schlimm! Das nächste Zimmer „Chez Amélie“ in Crémieu kann warten.

Als ich die Rhoneinsel verlassen will, treffe ich einen Schweizer aus Genf, der mit schwerem Rucksack seit 2 Tagen unterwegs ist. Um einem Hitzschlag zuvorzukommen, hat er sich bereits in der Rhone abgekühlt vor dem Stauwehr. Wir sehen uns an, weil wir beide die Insel verlassen wollen trotz des Verbots und der Absperrung bei der Brūcke. „Was machen wir jetzt?“ „Da gehen wir gemeinsam rūber!“ Gesgagt, getan, wir sind beide stolz es gemeinsam getan zu haben.

Er braucht den Schatten des nächsten Baumes, wir unterhalten uns noch eine Weile, dann muss ich weiter. Die Hitze ist heute erträglicher als die letzten Tage – kann auch sein, dass ich mich schon gut daran gewöhnt habe.

Gegen 3 am Nachmittag auf ungefähr halber Strecke sehe ich einen Carrefour : sofort rein und sūße Getränke kaufen: Schweppes und Eistee. Die jeweils 1,25 l trinke ich auf einmal aus. Wieder nichts für die Radflaschen übrig. Zum Glück gibt es im nächsten Ort einen Brunnen: „eau non controlée“, aber ist auch egal, die Hauptsache es löscht den Durst.

Die letzten 40 Kilometer treibt Aeolis wieder sein Unwesen. Warum der immer ab Nachmittag 3 die Windmaschinenauf Vollgas stellt? Ich denke, der Vrecker (opf. , hochdt. böser Schlingel) fackelt einfach den Solarstrom wegen Netzueberlast ab, und keiner gebietet ihm Einhalt! Heute so stark, das ich mich bei vorne kommendem Wind gerade im ersten Gang auf der Ebene noch vorwärts bewegen kann und bei Seitrnwind fast umfalle! Wo kann ich mich als Meckerdeutscher dann beschweren? Zeus? Jupiter, Petrus? Im Zuständigkeitschaos kann der Unhold seinem Treiben freien Lauf lassen …

Ich schraube mich Richtung Crémieu und erreiche Chez Amelie. Sie lebt in einem Haus am Rande des Orts mit ihrem Mann Guillaume, der als Werksleiter in der kupferverarbeitenden Industrie tätig ist. Sie bietet mir ihren Pool an, wo ich als Schwimmpilger nach 113 km und 755 Höhenmeter heute nicht Nein sagen kann.

Als sie beim Plaudern hören, dass ich in der Autoindustrie arbeite, wollen sie wissen, was dort gerade passiert. Amelie ist sehr dran interessiert, wie ich Richtung Westen will, da sie auch mit einer Tour liebäugelt zu ihrer Schwester im Departement Gers “ avec le VTT électrique“. Sie rät mir, das Stück zwischen Lyon und Vienne mit dem Zug zu fahren, da es zwischen Autobahn un Zug kein Spass sein wird.

Den kulinarischen Abend müssen wieder mal die Italiener retten: „Sonntag und Montag schwierig mit Restaurants.“ Sie reserviert für mich im Belissima, ich bestelle dann dort: Vorspeisen des Chefs, Parmigiana und ein Glas italienischen (!) Rotwein.

Tornato nella Bella Italia? Müsst schon aufpassen, ihr Franzosen, es ist nicht mehr viel eigene Butter auf dem Brot, nur das kleine Butterflöckchen des Marktes heute…

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 9: Entlang der Rhone“
  1. Oh Gott! dachte ich voll Schreck,
    Thomas ist sein Drahtesel verreckt 😱
    da hängt er nun am Galgen,
    anstatt mit Thomas der Rhone zu folgen!
    Poulet rôti et Baguette, das kenn ich gut,
    bringt zurück den Lebensmut.
    Aber, aber – italienischer Wein?
    Im Rhonetal? Das muss nicht sein!!!
    Et enfin, chez Amèlie – C’est très joli!

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