Mi.. Juli 29th, 2026

Tag 10:  Von Crémieu nach Lyon

Nachdem die Deutsche Nationalmannschaft in der Nacht in der WM im Elfmeterschießen gegen Paraguay ausgeschieden ist, wollte Amélie alles vermeiden, dass Frankreich das selbe in der Kulinarik passiert. Sie fuhr zum Frühstück selbst gebackenes Brot, wo sie das Mehl von einer ökologischen Mühle holt, verfeinert mit Sesam und Sonnenblumenkernen, ein Ei von ihren Hühnern, selbst gemachten Joghurt und Marmeladen von Feige, Aprikose und Erdbeere auf. So könne man das doch nicht stehen lassen was ich gestern im Blog geschrieben hätte!

Später wird sich Denis noch melden, mein französischer Kollege, der auch die kulinarische Ehre Frankreichs retten will mit Restaurantvorschlägen für Lyon.

Amelie und ich unterhalten uns über Essen und Frankreich. Auch ihre Vorfahren kommen aus der Landwirtschaft und man suche im Essen den Geschmack der Kindheit. In Lyon, nach ihrer Meinung der Essenshauptstadt Frankreichs müsse ich unbedingt ins Café des Fédérations. Gleich reseriere ich einen Platz dort für heute Abend. Natürlich müsse ich einen Cote du Rhone dazu trinken. Sie mustert meine Route Richtung Lyon, nein die könne ich nicht nehmen, es gebe einen viel schönere auf einen Sandweg abseits der Hauptstraße.

Ich nutze die Zeit vor dem Start nach Lyon noch mit einer Besichtigung des Ortes . Der Augustinerkonvent mit Kirche liegt im Zentrum des Ortes.

Nachdem die Touristeninfo erst um 9:30 öffnet, mache ich mich gleich auf den Weg Richtung Lyon, die.malerische Variante wie von Amélie vorgeschlagen.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat sie jedoch: ich erblicke die Verdunstungssäulen des Kernkraftwerks Bugey, nur wenige Kilometer entfernt.

Kurz danach treffe ich auf Brigitte und Petra, beide schon im Ruhestand aus Garmisch und haben ganz Europa mit dem Fahrrad bereist.  Sie sind heute früh auf einem nahen Campingplatz aufgebrochen und befinden sichauf dem Weg zum Mittelmeer. Im bayrischen Zungenschlag gemeinsam nach Lyon zu treten ist sehr angenehm. Sie erzählen von ihrem Leben, vom Kindergroßziehen und von Enkeln sowie von Ihren Radreisen, gut bepackt aber mit sportlichem Drive. 10 km vor Lyon ist wegen einer Baustelle die Wegführung sehr undurchsichtig, aber gemeinsam meistern wir die Situation. Wir fahren bis zur Stadtmitte und verabschieden uns. Sie suchen noch ein Hostel in der Stadt.

In der Straße Richtung HO36, meiner Bleibe für heute Nacht, bietet ein Bistro ein schmackhaftes Mittagsmenü an. Da es eh um die Mittagszeit ist, spricht nichts dagegen heute auch dafür Zeit zu nehmen – vielleicht kann ich ja mein Zimmer eh noch nicht beziehen. Ich wähle Schinken mit Melone, den Fisch in Senfsoße bei einem Glas Wein und zum Nachtisch Stracciatella und einen Kaffee. Am Nebentisch sitzt ein Radler, wir unterhalten uns kurz auf Französisch bis wir herausfinden, dass wir beide Deutsche sind.

Klaus ist von Tariffa aus Richtung Hamburg unterwegs und arbeitet bei Paris bei einem Luftfahrtunternehmen. Die 3 Monate Sommerpause hat er bereits letztes Jahr in seinem Unternehmen mitgeteilt, um seinem Chef auch über seine Nachfolge sich Gedanken machen zu lassen  mit seinen 61 Lebensjahren. Er will noch weitere 2 Jahre mindestens arbeiten, denkt aber auch über die Reduzierung seiner Arbeitszeit nach. Seine Frau ist in etwa parallel auf der Route mit dem Auto unterwegs. Er will über den Schwarzwald, wo seine Schwester wohnt, weiter über Vogesen den Rhein hoch – ich empfehle im Xanten anzusehen. Wir unterhalten uns noch, wie der Einstieg in den Ruhestand ablaufen kann und inwieweit politische Ämter sinnvoll sind der Gesellschaft ehrenamtlich was zurück zugeben. Er ist in einer Gemeinde im Westen von Paris in so ein Projekt eingebunden  – ich erzähle ihm vom neuen Regensburger Bürgermeister Thomas Bürger, der auch diesen Schritt gemacht hat. Er fährt schließlich weiter Richtung Norden nach Austausch der Kontakte. Später schickt er mir noch eine WhatsApp:

Die Radlbilanz kann schon jetzt festgehalten werden: 55 km, 285 Höhenmeter.

Aber es kommt ja noch ein halber Besichtigungstag Lyon.

Zuerst brauche ich normale leichte Gehschuhe im Einkaufsviertel um den Platz Bellcourt, um meinen Verlust zu kompensieren mit den Anforderungen leicht, stabil für Stadtspaziergänge und einfach. Die Verkäuferin im ersten Geschäft ist ziemlich gelangweilt, mir 46er Größen für die beworben Modelle zu bringen. Nachdem sie es beim fünften Modell nicht hinbekommt, verlasse ich das Geschäft. Im zweiten Geschäft werde ich fündig.

So kann ich meinen Stadtspaziergang ins alte Lyon fortsetzen. Ich komme in die Kathedrale St. Jean und frage nach einem Pilgerstempel für morgen, da ich heute meinen Pass im Hotel liegen lassen habe.

Sofort ist jemand mit Stempel zur Stelle und will ihn mir aufdrücken. Nein – erst morgen.Wann? Ab 8:30.

Ich laufe noch den Berg zur Basilika hinauf, Höhentraining zu Fuß, was mich richtig ins Schwitzen bringt, aber ich scheine nicht der einzige zu sein.

Die Kirche wurde erst 1870 im Mosaikstil auf dem Berg errichtet. Von dort aus ein wunderschöner Blick über die Stadt. (Wer genau hinschauen, sieht im Hintergrund das Kernkraftwerk von heute morgen 😉)

Schon ist die Zeit fast rum und das. reservierte Abendessen steht an, eine schweinische Angelegenheit mit 4 Gängen zur Ehrenrettung der französischen Kulinarik.

Eine Eisuppe mit Rotwein- und Fleischsoße, dreierlei zum Ausprobieren ( Salat in Senfsoße mit geröstetem Brot und Speck, Linsensalat und eine Wurst im Brotmantel), dann eine Lyoner Spezialität von Hechtklos mit Krebssoße (Quenelle). Käse und Mousse au chocolat. Der Zwischengang Felsenbirneneis und der Espresso nicht mit eingerechnet, zum Trinken dazu ein Viertel Cote du Rhone. Nicht zu vergessen der hausgemachte Cassisaperitiv. Frankreich, du bist wieder auferstanden zu alten Zeiten !!!!

Ich wanke nach Hause. Fazit des Tages: die kulinarische Ehrenrettung ist auch für mich physisch anstrengend und psychisch wohltuend.

Von admin

2 Kommentare zu „Tag 10:  Von Crémieu nach Lyon“
  1. Wenn ich den Blog so lese,
    entdecke ich nichts von Askese,
    stattdessen nur: la bonne cuisine,
    toute la journée – da will ich auch hin!
    Lyon ist eine Reise wert,
    egal mit welchem Gefährt, 🚗 🚲 🚂
    eine Stadt, wie gemacht zum Entdecken,
    mit vielen interessanten Ecken.
    A propos: Cote du Rhone… 🍷
    hat Pilgern nicht was mit Verzicht zu tun? 😂

  2. I still remember a German anti-gambling public service ad from around the 2014 World Cup. In the ad, a child says that his father had bet all the family’s money on Germany winning the World Cup. Ironically, Germany actually went on to win the tournament in 2014, which made the ad unintentionally very memorable. It made me realize how strong the German national football team is. But this year..

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