Es hat am späten Abend gewittert, so ist es am nächsten Morgen kühl. Die anfängliche Kühle geht langsam in eine Schwüle am Vormittag über.

Die Navi führt mich auf Radwegen aus der Stadt Bilbao und dann flach auf der Hauptstraße N634,wo dann ganz Biskaia von einem gut ausgebautem Radnetz überzogen zu sein scheint mit „Radhauptstraßen“ mit Kilometerangaben wie beim Auto. Auch eine Radlwaschmaschine treffe ich am Weg an, wo ich noch den Dreck der Regenfahrt abspritzen kann.

In San Augustin habe etwa die Hälfte des Tagespensums hinter mir. Am Wegrand taucht eine alte Kirche steht. Ich halte und lausche dem Rest des Gottesdienstes auf Baskisch (wovon ich gar nichts verstehe) und betrachte die Kirche. Anschließend gibt es noch einen Kaffee in der Bar gegenüber.

Als ich weiterfahre und in den Hauptort Elorrio komme, gibt es in der Innenstadt nochmals eine so alte Kirche, erweitert um einen für mich seltsamen Seitenaltar mit hinduistischem Einschlag. Ich spreche mit einem Einheimischen, der Besuchern über die Orgel erzählt und ihren beeindruckenden Klang, aber er kann mir dazu auch nichts sagen.

Ich finde raus, dass Valentín de Berriochoa, Missionar in Vietnam war, verfolgt und enthauptet 1861, hier in Elorrio geboren war. Er wurde 1906 selig gesprochen als Märtyrer und deshalb gaben sie ihm den Altar gewidmet.

Nach dem Ort übe ich wieder das Passfahrren, um mich vor den Tourmalet- gestählten Radfreunden nicht ganz zu blamieren – immerhin 350 Höhenmeter am Stück.

Ich komme in Elgeta an, wo ich einen älteren Radler am Brunnen sitzen sehe. Er ist aus Bilbao, hat hier im Hinterland einige Berge gemacht. Beklagen muß er sich, weil es nicht mehr so geht wie früher: „Da war ich schneller“ – mir geht es auch so, obwohl ich mindestens 15 Jahre jünger bin als er. Auch gibt es in der benachtbarten Bar nur Bier, andere alkoholische Getränke und Kaffee, was ihm nicht gefällt – ich pflichte ihm heute ausnahmsweise bei. Wir machen noch schnell ein Foto zusammen, dann geht es für jeden weiter in seine Richtung.

Die weiteren Kilometer verlaufen mehr oder minder am Fluss entlang flach. 9 km vor dem Ziel verläuft eine Stichstraße in die Berge, die ich zur Unterkunft nehme: Bergankunft mit weiteren 450 hm. Die Bilder kann ich hoffentlich morgen vormittag schöner machen bei der Abfahrt, wenn sich die Wolken hoffentlich verzogen haben werden.

Ich hatte vorher schon im Netz gesehen, das ein Klosterbau daneben ist . Aber als ich das Gebäude in dem modernen Baustil sehe, bin ich schwer beeindruckt. Ein moderner Kirchenbau aus den 50er und 60er Jahren ist an einer Stelle einer Marienerscheinung vor 500 Jahren erbaut worden. Angeblich war damals Ignazius von Loyola hier beim beten. Lokal gibt es Granit, der für die Pyramiden in der Fassade verwendet wurde. Im Innenraum ist die Akustik so ideal, dass sie als Konzerthaus bei den Baskischen Musiktagen in San Sebastian genutzt wird. Ich konnte mich davon überzeugen, als ich mit meinen Klickpedalen über den Holzboden lief und ich die Reflexionen orten konnte.


Sehrnswert istbauch noch die Krypta, die von Nestor Basterretxea in den 80er über die Auferstehung Christi gestaltete.


Wäre ein Ziel für den Burgweintinger Kunstkreis für Lisbeth …
Gleich hinter der Kirche ist das Hotel, nur ein klitzekleiner 15 prozentiger Anstieg.
Ein schönes Zimmer gibt es für mich und sie bieten Abendessen für 17 € an und auch Frühstück, mal eine positive Ausnahme für Spanien, sind aber auch im Niemandsland …
Zum Start gibt es den baskischen Eintopf Marmitako ,Kartoffeln, Paprika, Schweinefleisch,

dann Anchovies.

Zur Nachspeise gibt‘ s noch Flan con Helado.

Fazit für heute: 81 km, 1244 hm. Die Überraschung kommt zum Schluss.



Jetzt radelt Thomas durch‘s Pais Vasco,
auf tollen Radwegen, das stimmt ihn froh,
keine französischen Wurzelpfade zu entdecken,
keine spanischen Achterbahnstrecken,
so macht das Radlfahren Spaß –
wer braucht schon einen Pyrenäenpass?
Viel Neues zu sehen auf dieser Tour,
wie diese Kirche mit moderner Architektur,
mit einem Klang wie in der Elbphilharmony,
aber ein paar hundert Millionen billiger – Merci!