Wir fahren hinaus aus Bayonne kurz vor zehn. Das Meer sehen wir heute nicht mehr, obwohl wir im Pienienwald immer am Meer entlang fahren.

Gegen Mittag treffen wir Romain wieder, den ehemaligen Arbeitskollegen aus Toulouse. Er ist mit Familie am Atlantik, die Kinder machen gerade einen Surfkurs. Er merkt beim Surfen, dass er nicht mehr die Rumpf- und Armmuskulatur hat wie als Triathlet vor den Kindern. Morgen bringen sie die Kinder zu Oma und Opa für die nächsten zwei Wochen. Er und seine Frau müssen ab Montag wieder arbeiten. Das Viertel am Strand, wo sie eine alte Ferienwohnung haben, ist jenseits der Monate April bis Oktober wie ausgestorben. Das Appartement aus den Sechzigern will er demnächst auch renovieren, um es vermieten zu können.

Zwischendurch bekomme ich einen Notfallanruf von Birgit: Das Auto lässt sich nach dem geforderten AdBlue-Nachfüllen nicht mehr starten. Ich organisiere einen Wekstattmann, der mit einem Diagnosetester das Problem zu beheben versucht, aber nur einen Wiederstart ermöglichen kann, sodass sie entscheiden, bis Arcachon schon heute durchzufahren.
Parallel dazu wollen wir die nicht mehr fuktionierende Gangschaltung vorne austauschen, wo wir nicht erfolgreich sind, weil wir das gekappte Seil nicht in die klemmende Außenseilhülle einführen können: also mit dem kleinen Kettenblatt vorne weitertreten mit hoher Kadenz – so wie Pogačar. Somit muss ich den Pilgermodus des langsamen meditaiven Tretens verlassen und mich mehr in sportliche Regionen bewegen.
Viele Familien mit Kindern sind auf den Wegen anfangs, wo es zu diversen Staus unter Fußgängern und Radfahrern kommt, was dann sukzessive abnimmt.
Wir fahren durch den Pinienwald. Alfons vergleicht es mit Brandenburg und je weiter wir zu unserem Zielort Arjuzanx an einem Baggersee ankommen, desto mehr scheint sich die Landschaft zu ähneln: Pinien, Niemansland, braune Landschaft. Zwischendurch ein verlassener Weg.

Alfons enteckt seine Liebe zu Brandenburg wieder in Südfrankreich, was ihm zum Singen des Liedes „Brandenburg“ von Rainald Grebe inspieriert, gespickt mit pseudofranzösischen Einwürfen. “ ich fühle mich so leer, ich fühl mich Brandenburg“.

Wir kommen gegen sieben im Niemandsland an, einem ehemaligen Braunkohletagebau an, wo sie daraus einen See gemacht haben und wir sofort ein reinigendes Bad nehmen müssen.

Der See wird zum Auftanken der Feuerwehrflugzeuge zur Bekämpfung des 5 km entfernten Waldbrandes benutzt, also starten alle 15 Minuten die vier Löschflugzeuge kreisend über uns.

Das nahegelegene Restaurant ist das Einzige in der Umgebung, das offen hat, aber durch ein Privatfeier belegt ist. Wir dürfen uns dazugesellen und zumindest werden wir mit Wurst und Käse zum Wein versorgt als die exotischen Radler.

So verbringen wir den letzten Abend bei Rosé im Garten bei der Gesellschaft in Weiß.

Fazit für heute 104 km, 298 hm. Das gerissene Gangseil zwingt mich zum Umschalten vom Pilgermodus in den Pogačar-Modus in Brandenburg.

Der Drahtesel wurde wochenlang geschunden,
das hat er wohl nicht ganz verwunden,
seine Blessuren nehmen zu,
aber jetzt hat er ja bald seine Ruh‘!
Und auch Birgits Töff-töff geht in den Streik,
ist nicht mehr zur Arbeit bereit!
Wird sich die Familie in den Pinienwäldern vereinen? –
aktuell kann man es weder bejahen noch verneinen…
Am Abend zu Gast bei einer Hochzeitsgesellschaft,
welch wunderbarer Ausklang, der vorletzte Tag ist geschafft!