Sa.. Sep. 12th, 2026

Als ich in der Früh aus dem Fenster blickte, sah ich schon, dass es nieselte; naja zuerst mal einen Kaffee trinken, und dann wird es schon werden. Als es dann aber bis neun nicht wurde, beschloss ich, in Regenkleidung – das erste Mal auf der Reise! – loszufahren.

Die ersten paar Kilometer war es ganz in Ordnung, jedoch hinterließen die Spritzer braune Flecken und die Regenkleidung wurde von Innen nass aufgrund der körperlichen Betätigung. Also nach zehn Kilometer zog ich sie wieder aus und kurbelte in meinem Rhythmus weiter. Die N634 verlief mehr oder minder parallel zur Autobahn. Bei etwa km 25 war ein weiterer Ort angekündigt, wo mir ein 2. Kaffee gut getan hätte, jedoch 2 Kilometer davor setzt so starker Regen ein, dass ich mich in ein Bushäuschen flüchte.

Vergnügungssteuerpflichtig war die heutige Fahrt nicht. Nach zwanzig Minuten hellte es leicht auf und ich fuhr weiter.

Ich komme zum Küstenort Laredo, der sich als Hauptort der Costa Smeralda bezeichnet.

Durch die Berge setze ich den Weg fort,

bis ich dann wieder die Küste erreiche.

Zum Mittagessen taugt mir der Riesenbetrieb am Ortseingang von Islares nicht, doch am Ortsausgang ist eine kleine Taverne. Alle Plätze sind reserviert und leer.

An einem Tisch sitz ein Herr so um die 60+, der eine einladende Geste macht, ich könne mich zu ihm setzen. Es ist Harald aus Rostock, war früher Arzt am Klinikum. Dann war er 12 Jahre für die Grünen im Bundestag und ist diese Periode im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Er geht den Jakobsweg in Stücken zum Abschalten und aus sportlicher Motivation, hat in Bilbao gestartet mit einer Stadtbesichtigung und hat noch 8 Tage Zeit. Wir finden sofort interessante Themen zum Plaudern von Aquakulturen bis zur KI.

Ich bestelle das Menü, als ersten Gang heisst es Cocinada, bis ich dann feststellen, dass es der Fabada Asturiens nicht unähnlich ist, nur die Bohnen sind rot, und es ist anstelle des Wammerls ein Geflügel drin, erinnert schon fast ans südfranzösische Cassoulet. Der Hauptgang ist ein frittiertes Fischfilet flankiert von Caña. Ein Schokokuchen rundet das ganze ab.

Ich fahre weiter, das Wetter hellt sich auf.

Als ich kurz auf den linken Seitenstreifen rausfahre, um ein Bild vom Meer zu machen, treffe ich Greg aus Alaska. Er hat eine Radtour von Istanbul nach Venedig hinter sich, dort ist ihm sein Rad gestohlen worden, er ist weiter mit Zug und Schiff über Sardinien nach Barcelona und hat sich für die Nordküste einen Mietwagen genommen. „Der Mietwagen ist billiger als eine Übernachtung, da schlaf ich im Mietwagen“. Er freut sich, ein wenig mit einem Langstreckenfahrer fachsimpeln zu können. Er ist auch Surfer, aber die Wellen sind ihm hier zu fade. Ich fixe ihn mit Styrkeprœven an, mal schauen, ob er sich dazu anmeldet. Ich fahre weiter.

Ungefähr 20 km vor Bilbao beginnt wieder das Baskenland.

Man merkt es ganz deutlich, wenn man auf die Straßenschilder schaut: alle Nationalstraßen außer den Autobahnen sind zuerst mal drauf verschwunden und durchbregionale Nummerierungen ersetzt, wogegen man auf den Karten die übergeordneten Straßennamen findet.

Laut Wikipedia gibt es die drei baskischen autonome Gebiete ( rosa), die Provinz Navarra( grün) und den französischen Teil ( gelb).

Grün und rot haben in der Francozeit zusammengehört, jetzt sind sie wieder getrennt. Bilbao befindet sich in Bizkaia.

Bevor ich nach Bilbao darf, beginnt wieder das Höhenmeterankunftsspiel. Ich wähnte mich schon fast da, 25 km vor Bilbao, doch da kamen dann nochmal 600 Höhenmeter an der Küste. Beim Bergauftreten war ich zu sehr mit mit mir selbst beschäftigt, deshalb hab ich ein Foto nur von der Abfahrt gemacht, aber das Ganze gilt analog.

Als ich dann in Bilbao ankomme, muss ich mich noch 15 km durch den Stadtdschungel kämpfen bis ich am Minicampus ankomme, wo ich eine Studentenbude für die nächsten 3 Nächte gemietet habe.

Fazit für heute: 109 km, 1451 Höhenmeter. An einem gräuslichen Tag nette Menschen treffen, hellt den Tag auf, zumindest im Gemüt, vielleicht auch draußen.

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 47: Die Küste bis Bilbao“
  1. In Frankreich kämpfte Thomas mit Hitzewellen,
    an Spaniens Nordküste nun mit Nasszellen,
    manchmal ist das Wetter zum verstecken,
    die Pilgerei ist wahrlich kein Zuckerschlecken!
    Jedoch reich an Erlebnissen,
    und diese möchte man nicht missen!

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