Heute morgen beim Losfahren merke ich schon, das das Treten besonders schwer geht. Was ist los? Motivationsloch? Körperliche Gebrechen, die sich auswirken? Die Reduzierung der Menge des Alkohols, womit ich gestern begonnen hatte? Oder hat mein Rasieranfall heute morgen den Körper wieder in den Kindeszustand des Babypopos zurückgesetzt, wo die Ausbildung der muskeln fehlte? Keine Ahnung.
Ich brachte es bis zum ersten größeren Ort Valdoviño. Bei einem Kreisel, wo ich mich kurz orientieren wollte, fiel mir ein Schinkenladen auf: Boccadillos con jamon iberico. Na ja, das könnte vielleicht die Stimmung aufhellen. Die Verkäuferin ist sehr engagiert, es gibt sogar ein Freigetränk dazu gibt. Sie will mir ein Bier dazugeben, nein, ich nehme ein AGUA mit Zitronengeschmack, a sejs Zuckerwasserl.

Das kann ich jetzt nicht auf der Hauptstraße Verspeisen. Ein schöner Platz muss her, also rollere ich Richtung Strand und suche mir einen guten Platz mit Aussicht.

Das Brötchen schmeckt herrlich, das Getränk – na ja.

Ich mache mich gut gestärkt auf nach Cedeira – moderne Motivationscoaches würden sagen, mental passt da was nicht.
In Cedeira taugt auch nichts recht, ich fahre dann los, zuerst mal 2 km in die falsche Richtung und weil es eh schon Wurscht ist, trete ich in der Mittagshitze weiter, wo der steilste Berg des heutigen Tages mit mehr als 200 Höhenmeter kommt. Hinaufgequält und dahindandelnd bewege ich mich langsam weiter. Nach etwa 5 km kommt ein Schuhgeschäft, das gleichzeitig eine Kneipe und Gemischtwarenladen für die ländliche Gegend in einem ist. Es ist komplett leer. Ich wage mich hinein. Ja- es kommt jemand. Also gut, ich bestelle ein Kas, ein zweites Kas und nehme beim Zahlen noch ein großes Wasser mit.
Mit Reden scheinen sie es da in dem Bergdörfchen nicht zu haben. Ich ziehe weiter, deutlich besser gelaunt und wieder mit Schmackes in den Beinen. So erreiche ich dann Ortigueira. Dort ist am Ortsausgang ein Suppermarkt am Weg – also Brot bräuchte ich und ein Reisewaschpulver. Das finde ich auch dort, aber ich sehe zusätzlich ein 2 l Kas – her damit.
Da es schwierig wird, alles drauf zu laden, drinke ich 1,5 l von den zweien, der Rest in die leere Trinkflasch: aufgeräumt! Eigentlich wollte ich unterwegs noch Brotzeit machen, aber mit soviel Kas im Körper verspüre ich keinen Wunsch mehr danach, und der Körper läuft wie eine geölte Nähmaschine. Er tritt die kommenden 500 Höhenmeter mit Genuss hinauf , als wäre nichts.

Ich hatte auf meiner Italienreise Fabio kennengelernt, der sich immer mit Fanta motivierte, ich pflegte dann mit ihm immer den Fantakult -Kas ist ja das galizische Substitut. Andi hat mich früher immer wieder zu Gipfelcola animiert – Zucker und Koffein, aber mir ist das mittlerweile zu pappig.
@Fabio, la KAS è meglio de la tua Fanta e nella regione del POLASE@admin
Also ich hab das Zaubermittel gefunden, vielleicht tun die hier ja auch ganz was besonderes rein, die Galizier sind ja Kelten und haben vielleicht von Mirakulix abgekupfert.
Nebenbei schau ich mir natürlich die schönen Buchten an.





Am Weg sehe ich immer wieder Bushäuschen – muss schön sein hier, auf den Bus zu warten.
Für Regensburger Wochenendaktivitäten macht Petra Stickel immer die Veranstaltungstipps aus dem Bushäusl vom Adlersberg, ich denke ich hab hier welche mit mindestens genau so schönen Aussichten gefunden. Ich schicke ihr gleich mal ein Bild davon und bekomme prompt einen Dank zurück.

Das Abendessen in Spanien auf dem Land ist immer schwierig: vor 21 Uhr gibt’s nix, obwohl alle Hunger haben und rumdruchsen.
Für mich gab es heute Tomaten mit Burrata, Miesmuscheln und einen Flan mit natürlich 1906.

mir bleibt danach nur, aus meinem Fenster zu schauen.

Fazit für heute: 79 km, 1253 Höhenmeter. Zaubertrank gefunden.



