Di.. Juli 28th, 2026

Heute ist der 25. Juli, der Tag des heiligen Jakobus.  Als ich nach dem Frühstück losfahren will, schickt er mir zuerst mal einen fünfminütigen Schauer. Somit ist es schön frisch anschließend zum Treten, ein flaches einrollern ist ja hier nicht möglich. In Süditalien heißen die Menüs Mare (mit Meeresfrüchten) oder Monte (von Schwein, Rind, etc.). Ich darf heute auf der Terrainkarte des Radelns von beidem probieren: Bergfahren bei Meerblick. Alle Geschäfte haben aufgrund des Feiertags in Galizien geschlossen. 

Gestern abend nach dem Essen wollte ich noch einen Abendspaziergang zum Meer machen, um den Sonnenuntergang am Strand  zu sehen, doch es gestaltete sich etwas anders. Zuerst mal habe ich für heute ein Suchbild dabei: wer sieht wieviele Horreos? Na die Steinhäuschen auf Pfälen von gerstern …

Als ich weitergehe, sehe ich, dass ich gar nicht zum Meer komme: eine riesige Brutfarm für Meeresfrüchte blockiert den Zugang. 

Ich versuche sie zu umgehen, finde Nachtkerzen auf dem Weg,

und als ich beim freien Meerblick ankomme, ist die Sonne, die vorher noch schön zu sehen war, hinter den Wolken verschwunden.

In der nahen Fischbrutstation macht ein Mann seine Abendbeobachtungsrunde, wir grüßen uns über den Zaun und beginnen ein Gespräch.

Er ist 61 Jahre alt, hat 5 Jahre in der Schweiz gearbeitet ( auch der Ehemann der Besitzerin der Pension) und wir schaffen es dann, mit einem Kauderwelsch aus Spanisch und Italienisch und zu verständigen. Er erklärt mir die Wasserverhältnisse, beklagt sich über die Qualität des Wassers der einstömenden Flüsse und wie dann die weitere Aufzucht und Mast der geschlüpften Eier auf anderen Farmen weitergeht.

Er freut sich, dass er sich dann mal richtig ausschimpfen kann, über begrenzte Arbeitsplätze in Galizien,  überhöte Preise in den Ferienmonaten und die gefühlte Ungleichbehandlung von „Hiesigen“ und Migranten im Gesundheitssystem. Es wird dunkel – ich kehre um und spaziere zurück zur Unterkunft.

Ein mir gut bekannter Fischzüchter vom Dürmaul bei Bärnau bestätigt mir dies, als ich ihm ein Bild schicke: „Servus Thomas, aus dem Meer kommen die riesigen  benötigten Mengen für unseren Pizza 🍕 Belag schon lange nicht mehr…Offshore Aquaculture ist eine der am stärksten wachsenden landwirtschaftlichen Zweige! „

Zur Zeit kam grad neu einige Podcastfolgen über Franco in Spanien in der Reihe „Alles Geschichte“, https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:b2a6b49057696ee0/ , passend, um die Hintergründe des Landes etwas zu verstehen. Spanien hatte seine Kollonien Ende des 19. Jahrhunderts verloren, das Militär war beschäftigungslos, es kam die Wirtschaftskrise 1929 und die Gesellschaft war gespalten in reich und arm. So wurde das Land nach einer kurzen Phase einer versuchten Demokratie zum Stellvertreterkampfplatz vom Faschismusblock aus Hitler und Musolini, die den General Franco unterstützten und der kommunistischen Seite, unterstützt aus Moskau. In den 30er Jahren wurden mehr als 500 000 Menschen im Bügerkrieg ermordet. Die Franco-Diktatur dauerte bis 1975 bei seinem Tod. Risse bekam das System dann durch Studentenunruhen 1969 und den Massentourismus aus europäischen Ländern zur Zeit des Wirtschaftswunders.

Mir macht die spanische Demokratie den Eindruck, dass sie ringt um Gerechtigkeit und die Zugehörigkeit zu Europa. Da sie jünger ist, ist sie vielleicht nicht so satt wie bei uns .🤔

Immer wieder komme ich an schönen Buchten vorbei, bevor es wieder in die Höhe geht.

An der Straße ist eines der vielen keltischen Hügelgräber, die es hier in der Region gibt. Eine Erklärungstafel beschreibt, dass viele von Schatzsuchern geplündert wurden oder die großen Granitsteine als Baumaterial verwendet wurden. 

Granit, wie ich ihn aus meiner Heimat von Flossenbürg kenne; auch ein Hügel erinnert mich an den dortigen Burgberg.

Nach ungefähr 40 km und 800 hm wird es dann etwas weniger hügelig. Auch ist es langsam Zeit, etwas zu mir zu nehmen. Seit km 30 lauere ich schon, bei km 45 ist ein offenes Restaurant an der Straße- nein sie sind ausgebucht, aber im Barbereich geht ein Caldo Galego für mich, der typische Einntopf aus einer Art Bohnen, Schweineteilen, Chorizo, und sonstiges. 

So hat jede Kultur ihren Eintopf.  In der Oberpfalz gibt es de Pichelsteiner, die aufgeschmalzene Kartoffelsuppe, oder auch die Schwammabrej, die Iren haben ihren Stew, die Basken die Marmitako, die Südfranzosen das Cassoulet. Ich liebe Eintöpfe.

Die letzten 35 km sind landschaftlich nicht mehr so interessant, jedoch bringen sie mich endlich vorwärts, sodass ich gegen fünf das Hotel in Arteixo erreichen, 10 km vor A Coruña.

Das Abendessen gestaltet sich aufgrund des Feiertages etwas schwierig. Fast nichts im Ort hat offen, wenn dann erst ab 20 Uhr. Ich finde ein Bier in der Bar 1906 am Kreisel der großen Straßen. Bier, Salat mit allem Möglichem, Tortilla mit Chorizo und Zwiebel.

(Wenn ich gewusst hätte, dass die Mengenfürneine 4-köpfige Familie gereicht hätte ….)

Fazit für heute: 82 km 1201 hm. Küste, Kelten, Granit, Eintopf, Fischzucht. Bis auf die Küste haben Galizien und die Oberpfalz viel gemeinsam.

Von admin

2 Kommentare zu „TAG 35: Mare a monte“
  1. Eine Reise in die Geschichte: der Diktator Franco unterstützt vom Diktator Mussolini und Hitler überlebte beide bis zu seinem natürlichen Ableben. Die anderen 2 sind Gott sei Dank schon vorher gestorben. So hat die Diktatur bis ins 20. Jahrhundert in Europa geherrscht ( Spanien 1975, Griechenland bis 1974) und es sind immer noch zuviele Unterdrücker an der Macht ( Belarus, Russland, … )

  2. Thomas, jetzt bin ich aber a bisserl bös mit Dir,
    wird Zeit dass ich meine Heimat protegier‘,
    zählst die europäischen Eintöpfe auf,
    aber wo bleibt das Wiener Saftgulasch?
    Is ja eh klar – aus den Augen, aus dem Sinn,
    wer denkt schon an den Semmering,
    an die Wiener Köstlichkeiten,
    die sie dort zubereiten.
    Aber Du bist ja jetzt auf dem Weg zurück,
    vor Dir liegt noch ein ganzes Stück,
    möge der Radlgott Dich gut leiten,
    durch Spanien und Frankreich begleiten!

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