Am Morgen wache ich etwas orientierungslos auf. Eigentlich wollte ich 2 Tage in Finistere bleiben, jedoch sind die Wochenendpreise dort bombastisch und so hatte ich nur eine Nacht in dem empfohlenen Hotel bekommen. Alles andere ab 150 € aufwärts für eine Nacht ohne Frühstück. Ins 20€-Hostel will ich auch nicht, so finde ich etwas im 30 km empfernten Murxia.
Da das Fahrrad ja gestern beim religiösen Abschluss nicht dabei war, gönne ich ihm heute noch den sportlichen Abschluss und trete zum Leuchtturm hinauf. Beim Verlassen des Hotels spricht mich ein Spanier an: Hey, du fährst mit einem Eddy-Merckx-Trickot!

Wie sich herausstellt ist Roberto Evian Guterez aus Palencia, 62, in seiner Jugend mit den „Großen“ im spanischen Radsport selbst zusammen gefahren. Juan Manuel Fuente, der Kletterspezialist bei Giro und Vuelta und Tour anfang der 70er Jahre, war Direktor der CLAS (Central Lechera Asturiana en afectionados) für Amateure und hat dort Profiausbildung später mit Tony Rominger aufgebaut. In der Teilnehmerliste des Amateurrennens sind: Cubino, der im Tour-Rennen gewonnen hat, und Herminio Díaz Zabala hat die Tirreno-Adriatico gewonnen.

Er zeigt mir sein gebrochenes Schulterbein und Oberarm, und natürlich auch die Bilder von früher, die er auf seinem Mobiltelefon hat.

Auf bitten schickt er mir einige. Heute interessieren ihn seltene Tierarten in freier Natur- vor allem die Bären haben es ihm angetan. Anfänglich schickt er mir viele Fotos davon, hat aber dann Angst, dass die Plätze nicht mehr geheim bleiben, die er mit einem Freund als Parkranger normal in den Morgenstunden aufsucht. Ungefähr 20 km von hier sei ein bekannter Wasserfall, Auffahrt bei der Vuelta mit Radlerdenkmal, da müsse ich unbedingt hin als Radpilger.
Ich plane es nach dem Leuchtturm und dem Fotoshooting mit dem Rad.



Im Anschluss treffe ich Tamara mit ihrer Tochter Anika aus Magdeburg, die im Herbst in die Schule kommt Tamara nimmt sich immer wieder unbezahlten Urlaub, um gemeinsam mit ihrer Tochter die Welt zu sehen, Hawai war auch schon dabei und jetzt der portugiesische Jakobsweg mit anschließend einer Woche Genussurlaub in Finistere- Schiffahren, Strand, etc.

Sie sieht so viele Menschen, die sich keine Zeit mehr nehmen, die einzigen seien die Pilger. Bevor ich aber zum Wasserfall weiterkomme, lacht mich der Sandstrand nach Finistere an: ideale Gelegenheit zum Schwimmpilgern mit ritueller Waschung des Kettenblatt-Tattoos. Das Meer war ziemlich frisch, kein Vergleich zu den kuscheligen Schweizer Seen, ich würde auf 21 Grad tippen. Die Spanier meinten, heuer ginge es, die Jahrendavor konnte man gar nicht reingehen, da zu kalt.

Immer wieder sehe ich seit einigen Tagen in Galizien solche Stelzenhäuser. Ich frage mich, für was sie gut sind ung recherchiere:

„Diese charakteristischen Steinhäuschen heißen Hórreos (auf Galicisch órreos). Es handelt sich dabei um traditionelle Korn- und Vorratsspeicher, die typisch für Nordspanien (besonders Galizien und Asturien) sowie Nordportugal sind. Ihre recht ungewöhnliche Bauweise hat zwei Hauptgründe: Feuchtigkeitsschutz und Schädlingsbekämpfung.“

Seit einigen Tagen höre ich auch immer wieder einen Dudelsack: in Santiago, in Finistere und auch heute beim Ankommen in der Pension Atlantico. Da scheint die keltische Traditon noch gepflegt zu werden. Mein verstorbener Orgellehrer Maximilian Schnurrer war begeisterter Spieler eines böhmischen Dudelsacks. Er drängte mich, Melodien zu finden für einem festen Grundton. Da spannt sich wieder der keltische Kulturbogen von Galizien über Schottland bis ins Böhmische hinein.


Nichts für mich! Ich vergleiche mich eher mit der Bunten Liga als mit der Championsleague.
Ein Meilenstein zeugt von den Heldentaten der Vuelta;

Als ich in der Unterkunft frage, wohin man zum Essen gehen kann, zeigen sie mir zuerst ein Restaurant in gut einem Kilometer, machen mir dann aber das Angebot Omlett mit Salat, was ich heute gerne annehmen.

Fazit für heute: 59 km, 942 hm, nicht gejammert im Block über die Höhenmeter. Schwimmpilgern und Wasserfälle und Dudelsack


30% Steigung? Echt jetzt? Gehört verboten – nur für Extrem – Bergsteiger mit Seil, Pickel & Steigeisen
Für die Profis bei der Vuelta und anderen Verrückten vorenthalten …
Raufschieben und dann Runterrasen, das wäre ein Riesenspass!
WarTamara die erste Frau, die Du auf der Reise getroffen hast?
Keine Kritik…
Ich stelle mir die Frage, ob pilgern männlich ist? Der weibliche Anteil an meinem Brüsseler Radclub ist unter 10 Prozent…
Hallo Alfons, die Radpilger sind zum größten Teil männlich( ~95%). Eine Frau von den Canaren bat mich in Santiago, ein Bild von ihr zu machen (Bericht Tag 32), auch ist eine spanische Mountainbikegeäeuppe mit einer Frau im Pilgergottesdienst gewesen. Bei den Fusspilgern schätze ich den Frauenarbeit auf etwa 50%. Fusspilger befinden sich normalerweise in Bubbles, da etwa gleich schnell – Radpilger sind aufgrundnder geringeren Anzahl ( 5% Radpilger, 95 % Fusspilger) eher als Einzelgänger unterwegs und aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten trifft man sich dann in der Regel nie wieder. Stell dir vor, den Arberradmararhon fahren 100 Leute mit unterschiedlichster Kondition, die anderen 2000 gehen ihn zu Fuß. Interessant ist das viele Asiatische Fusspilgerinnen unterwegs sind, z.B die Koreanerin Tag 30 im Kloster Samos, die HogKongnHcinesin Tag32 und in St Jean Pied de Port waren im Hostel im Schlafsaal eine Chonesin und eine chinesischstämmige Amerikanerin. Da ich Hostels gemieden habe ( Aversion gegen Schnarchen und mangelnde Privatsphäre) war mein Kontakt zu anderen Pilgernin der Regel außerhalb des Weges nicht da, und der Fußweg ist in der Regel nicht Rennradreifen-tauglich.
https://fowid.de/meldung/jakobsweg-pilgerzahlen-1989-2025
Das war wirklich ein abwechslungsreicher Tag!
Zuerst hoch zum Leuchtturm, zum Fotoshooting mit dem Rad,
danach Schwimmpilgern im Meer, gut gelaunt,
zum Abschluss den Wasserfall bestaunt.
Sich mit vielen interessanten Menschen ausgetauscht,
und den Dudelsackklängen gelauscht,
Am Abend ein feines Omelett mit Salat,
ein einfaches Mal, des Pilgers Zierrat!