A Coruña kannte ich bisher nur als Infustriestadt, wo früher Stahl hergestellt wurde. Auch ein Aluminiumwerk ist noch dort. Ich nehme die Hauptstraße AC-522 von Arteixo und muss zuerst mal 150 Höhenmeter hinauftreten. Bei der Einfahrt in die Stadt werde ich auf die endende Autobahn geleitet, die durch das Industrieviertel mich in die Stadt führt. Das Ruhrgeɓiet um Duisburg war schöner, denke ich.

Aber als ich die Innenstadt erreiche, sehe ich eine sehr moderne und mondäne galizische Stadt, die mit ihrer Region ein Drittel des Bruttosozialprodukts Galiziens erwirtschaftet: Hafen, Öl, Industrie, Immobilien, Tourismus.

Ich starte meine Besichtigungstour auf dem Marktplatz. Auch dort ist eine Mittelalterfeier aufgebaut.

Für den sogenannten Englischen Jakobsweg ist La Coruña die Weiterführung auf spanischem Boden.

Den Hafen Corunium nutzten schon Phönizier, Kelten und Römer aufgrund seiner geschützten Lage.

Die Römer hatten schon im Jahre 110 den Herkulesrurm, heute ältester sich in Betrieb befindlicher Leuchtturm, erbaut.

Was hat es mit dem Jahr 1906 auf sich? Ich recherchiere: “ Nationaler Triumph und dramatischer politischer Schlüsselmoment“
1. Santiago Ramón y Cajal erhält für die Erforschung des Nervensystems den Nobelpreis in Medizin. Er lieferte den Nachweis, dass das Gehirn aus einzelnen, eigenständigen Zellen (Neuronen) besteht – das Fundament unserer heutigen Gehirnforschung.Nach dem verheerenden Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 (El Desastre del 98), bei dem Spanien seine letzten großen Überseekolonien (u. a. Kuba und die Philippinen) verlor, befand sich das Land in einer tiefen Identitätskrise. Der Nobelpreis 1906 war das erste Mal, dass ein Spanier in den Naturwissenschaften diese höchste internationale Auszeichnung erhielt. Es zeigte den Spaniern, dass ihr Land trotz des kolonialen Niedergangs an der Weltspitze von Wissenschaft und Innovation mitwirken konnte.
2. Am 31. Mai 1906 heiratete der spanische König Alfonso XIII. die britische Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg in Madrid. Auf dem Rückweg von der Kirche warf der katalanische Anarchist Mateu Morral eine in einem Blumenstrauß versteckte Bombe von einem Balkon auf die königliche Kutsche.Das Königspaar blieb wie durch ein Wunder fast unverletzt, aber das Attentat forderte 24 Todesopfer und über 100 Verletzte unter den Zuschauern und der Eskorte. Dieses Ereignis verdeutlichte extrem extremistische Spannungen und das Erstarken des Anarchismus in Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es war ein Vorbote der tiefen sozialen Spaltungen, die das Land in den folgenden Jahrzehnten weiter erschüttern sollten.
Der modene Spanier denkt bei „1906“ zuerst an ein Glas Bier.
Im Jahr 1906 gründete José María Rivera Corral die Brauerei Hijos de Rivera in A Coruña (Galicien) – die Wiege von Estrella Galicia. Als Hommage an dieses Gründungsjahr braut das Unternehmen die extrem populäre Premium-Bierserie „1906 Reserva Especial“, die in fast jeder spanischen Bar zu finden ist.
Auch ich war gestern Abend in einer Bar mit dem Namen 1906. Das Estrella Galicia ist omnipräsent in ganz Galizien. Um diesem Kult etwas zu ergründen, habe ich mich zu einer Bierführung in der Brauerei heute angemeldet. Sie halten mehr oder minder das Monopol für Bier in Galizien, davon wo jede bayerische Brauerei träumen würde.
Die Brauerei liegt etwa 3 km vom Hotel entfernt. Bei der Ankunft riecht man schon das Brauen von Bier. Estrella Galicia ist ein Meister des Marketings. Bei der Verkostung drückt es eine Mitarbeiteron so aus: “ Mein Freund sagt, ich arbeite bei einer Marketingfirma, die Bier verkauft.“

Sie zeigen Zutaten und Herstellungsprozess, bei der Abfüllung sieht man die Verwendung von Kronesmaschienen.

Ich lerne zum Herstellungsprozess nicht viel Neues: mit einem Cousin und Firmpaten als Zoiglbrauer und Genossenschaftsanteildeigner im Ackerbürgerhaus in Bärnau glaube ich die richtigen Weihen dafür zu haben.

Zumindest hab ich beim Braumeister Volker Richter schon zugeschaut. Das Buch von Jaroslav Rudi “ Gebrauchsanweisung für Bier“ lieferte den kulturellen Hintergrund. So kann ich den jungen Führer mehrmals aus dem Tritt bringen.
Wir lernen dann noch das richtige Einschänkem einer Caña.


Im Nachgang steht noch eine Verkostung an. Am besten kommt bei allen Beteiligten das 1906 Peliroja an, schmeckt einem Ale ähnlich.

Ich fahre anschließend in Schalangenlinien wieder zurück zum Hotel.
Fazit für heute: 24 km + 6 km zur Brauerei, 276 hm. Die Galizier haben das Monopol mit gutem Bier in ihrer Region und sind Meister des Marketings.

