Mi.. Juli 29th, 2026

Tag 7: In die französischsprachige Schweiz

Die Unterkunft war eine schönes Ausflugslokal an einem Schwimmbad mit daneben beheimateter Pferdekoppel am Wald. Frühstück im Restaurant sollte es erst ab 9 geben, weshalb mir der Besitzer anbot, ein Frühstücksset zusammenzustellen, sodass ich zeitig aufbrechen kann. Also war ich ab halb sieben auf dem Rad. Die Navi schickte mich zuerst Mal in den dahinterliegenden Wald. Nachdem Schotter und Steigung zu heftig wurden, suchte ich mir dann selbst den Weg Richtung Bern. Wenn schon in der Nähe der Schweizer Bundeshauptstadt, dann sollte zumindest eine Kurzbesichtigung drin sein.

Vor dem suchte ich noch, wo ein Pilgerstempel erhältlich ist: in der reformierten Nydeggkirche im Do-it-yourself- Mode- leider falsch herum.

Schnell noch am Bundeshaus vorbei geradelt und schon kann es weitergehen hinaus durch die grüne Lunge der Stadt, später entlang eines Sees mit teilweise gewagten Uferpassagen für einen offiziellen Radweg.

Ich sehe wieder einen Kirschbaum und wiederhole die Achtsamkeitspflückübung. 

Bis zum Stauwehr des Sees denke ich: Mei, sind die Schweizer ökologisch, bis ich kurz dahinter ein Atomkraftwerk erblicke, etwas Zaun drum rum aber nah zum Umfahren. So nah bin ich noch nirgends an ein Atomkraftwerk herangekommen, versteckt im Wald.

Der weiter Flußradweg geht immer wieder gewagt auf und ab. Ich freue mich schon, nach einem kurzen Stopp beim Coop die mitgebrachte Brotzeit verspeisen zu können. Doch als ich aus dem Geschäft herauskomme, fehlt mein hinten los daraufgeschnalltes Giro-Täschchen. Ich habe den ersten Verlust zu betrauern: Treckingschuhe mit frisch gemachten Einlagen, Trinkpulver, Nussbrot, Schweizer Käse und ein Apfel. Mist! Muss ich die gekaufte Fanta alleine trinken.

Zum Glück kommt im späteren Verlauf noch ein Brunnen zum Flaschenauffüllen. Mittlerweile ist es schon nach halb zwölf und die Hitze wird schwer erträglich. 

Die Sprache der Schriften an Häusern und Plakaten wechselt allmählich von Deutsch auf Französisch – im Bezirk Fribourg ist es dann nur noch ausschließlich Französisch.

Ich wollte noch bis zum Neuburger See kommen bis zur Mittagspause, aber 10 km vorher breche ich ab und begebe mich in eine kühle Kirche zur Mittagssiesta. Interessant, was sie aus einer restaurierten alten Kirche schon 1971 gemacht haben. Wäre neugierig ob man sich sowas auch im Bistum Regensburg trauen würde. 

Jedoch wird das Thema die nächsten Jahre sein, was man aus den kirchlichen Räumen macht bei stark sinkender Mitgliederzahl und Steuereinnahmen, was nach Alternativnutzung schreit, doch da gibt es noch im Bistum Regensburg den rückwärts gewandten Bischof – ein blockier für Neuerungen vor dem Herrn …

Um halb vier muss ich weiter. Der heiße Wind bläst durch meinen ganzen Körper. Ich erinnere mich der Touren auf Sizilien bei 38 Grad mit den Winden von Aeolis. Wahrscheinlich nutzt dieser Windgott die Arbeitsmigrationsregeln innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums und hat sich in die Schweiz umgesiedelt.

Über griechisch-römische Götter sinieren hilft auch nichts – ich muss weiter und hoffe vom Strand des Sees noch etwas kühlende Erholung abzubekommen. Jedoch ist der See gar nicht nach meiner Vorstellung: 1) Am Rand befindet isch ein Naturschutzgebiet, wo betreten nicht erlaubt ist.2) Am Rand steigt das Terrain um 200 Meter auf.

Das merke ich, als ich schon zum See runtergefahren bin und mache dann ein Auf- und-Ab ohne wirklich an den See zu kommen bei der Hitze! Auch die schöne Landschaft wird da allmählich zweitrangig bei Strapazen und Hitzedelirium.

Bevor ich ankommen kann, geht es noch 200 hm hinauf und zieht sich dann 20 km dahin. Mama Mia! An den Brunnen, wo immer „kein Trinkwasser“ dransteht, benetzen ich immer wieder meine weißen Armlinfe als Sonnenschutz zur Kühlung.

Die Unterkunft erreiche ich dann kurz nach acht – das Hirn ausgedörrt.

Fazit des Tages: 140 km – 1080 Höhenmeter – ihr wisst schon: Niat nougem …( wieder einmal)

Wochenbilanz: 796km also pro Tag knapp 114 km.

Von admin

3 Kommentare zu „Tag 7: In die französischsprachige Schweiz“
  1. Ich hoffe wirklich sehr, dass das Wetter bald kühler für dich wird, aber da es in Richtung iberische Halbinsel geht, ist das leider nicht so sicher …

    Und ach Mist, nicht die Tasche! Gerade die Schuhe haben ja gezeigt, dass du sie auf diesem Weg immer wieder brauchen wirst und jetzt sind sie weg 🙁 Wirklich unschön!

  2. Sometimes it helps to look on the bright side. At least there wasn’t an even bigger loss. You’ve gained so many beautiful views and, most importantly, the greatest freedom on this journey. And hey, your bike tires are still doing great! 😄

  3. Diese Etappe hat‘s in sich,
    die Hitze macht sie fürchterlich!
    Bergauf, bergab muss Thomas sich quälen,
    will schon nicht mehr die Kilometer zählen…
    Plagen statt klagen,
    Ertragen statt verzagen,
    er erreicht die Herberge mit letzter Kraft – geschafft!!!

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