Di.. Juli 28th, 2026

Tag 3: Von Ulm nach Markdorf

Ich beherzigte die Weisheit meines Mitradlers Fabio in Süditalien: am Anfang des Tages ist es noch kühl. Das Hotel hatte ich ohne Frühstück gebucht, so könnte ich schon recht früh um halb sieben los. Ich tauchte in den Ulmer Berufsverkehr auf dem gut ausgebauten Radlnetz ein, zuerst noch an der Donau entlang, dann bog der Weg Richtung Süden ab.

In Laupheim war dann das Frühstück in einer Bäckerei an der Reihe. Als Spezialität suchte ich mir eine Olivenseele aus – richtig gehört: alle langgezogenen Gebäckstücke so wie Brezenstangen nennen sie dort Seelen – zum verspeisen. Ob da okkultige Vorstellungen früher bei der Namensfindung dabei waren? Hunger ißt Seele auf – komische Vorstellung. Somit wäre Askese die einzig erlaubte Lebensart. Oje.

Ich hatte mir schon vorgestellt, was mit den Seelen der Sterbenden vor sich geht. Elisabeth Kübler-Ross hatte sich wissenschaftlich dem Thema gewidmet und vor allem die Nahtoderfahrungen aufgezeichnet und ausgewertet von Menschen verschiedener Religionen. Bei uns macht man das Fenster auf, dass die Seele eines Verstorbenen entweichen kann.

Um wieder das Gebäck aufzugreifen: entweicht die Seele durch das Fenster und fährt dann durch den Schornstein der Bäckerei wie Santa Claus ein? Seltsame Vorstellung! Weg mit den Bildern im Kopf und weitertreten.

Am Wegesrand taucht ein Kirschbaum mit Früchten in Bauchhöhe auf: Zeit für ein zweites Frühstück. Nach gefühlt einem Kilo Kirschen im Bauch trete ich weiter.

Als nächster Halt kommt Biberach mit einer schönen Altstadt, dem Prototypen einer schwäbischen Kleinstadt.

Im Pfarrbüro von St. Martin hole ich mir einen Pilgerstempel. Weiter geht es Richtung Bad Waldsee, zuerst an der Bahnlinie und dann führt mich ein lokaler Wegweiser einen Bergschlenkerer an einem Skihang entlang – zusätzliche 200 Höhenmeter.

Die Navi meint dann noch das Ihrige dazu zu geben zu müssen und führt mich über einen Schotterweg im Wald. Als Entschädigung erhalte ich von wem auch immer Himbeersträucher mit reifen Früchten: köstlich!

“ Wenn’s nimmer geht, weitertreten“ oder mit der Weisheit meines kürzlich verstorbenen Freundes Alfred “ Niat nougem nejt alles“ ( hochdt.: Nicht nachgeben bezwingt alles) kämpfe ich mich weiter über die Schotterpiste im Wald.

Schließlich komme ich in Bad Waldsee an, wo ich der Mittagssonne mit Radler und Maultaschen entkomme.

Noch 46 km, die ich dann am späteren Nachmittag noch bewältigen kann.

Jedoch verfranse ich mich um Weingarten und Ravensburg auf diversen Schotterwegen und erziele somit mehr als 10km Bonusmile, das Gravel mit den Rennradreifen sieht’s kritisch. Zumindest sehe ich die Basilika von Weingarten – Pilgerstempel fällt aus wegen Personalmangel in der Touristeninformation.

Aber ich kenne immer mehr Wege ab Ravensburg – schließlich war ich im Frühjahr und Sommer 2014 dort lokal vor Ort beim Krisenprojekt Audi GW. Dann spule ich gelangweilt die Restkilometer ab, um rechtzeitig in Bermattingen zu sein: heute Abend treffe ich mich mit Tobias Braun aus Konnersreuth, meinem ehemaligen Praktikanten und Diplomanten, den es nach dem Studium an den Bodensee verschlagen hat.Über die Resl aus Konnersreuth könnten komplette Blogs geschrieben werden – ich lass es Mal heut.

Dazu kommt noch mein Kollege Michael als Überraschungsgast, der eigentlich in München bei Infineon sein sollte, aber wegen seines alten Führerscheins keinen Mietwagen bekommen hat.

Also ab in die Dusche: 127 km, 809 hm; niat nougem nejt alles!

Von admin

2 Kommentare zu „Tag 3: Von Ulm nach Markdorf“
  1. Servus Thomas, war echt top unsere Gehrenberg-Zusammenkunft am 23.06. !
    Jetzt weiß ich auch, wieso Du die Tischrechnung übernommen hattest 🙂 … den Führerschein-Fauxpas wolltest natürlich gleich nutzen, hier 🙂
    Dir noch tolle und anregende weitere 100te von Kilometern. Wir sehen uns!
    Michael

  2. Ulmer Seelen können quälen,
    wenn sie den Weg zum Ausgang wählen,
    doch in Ulm und um Ulm und um Ulm herum,
    bleiben sie zum Glück noch stumm,
    und ohne viel Gefasel,
    löst Thomas das Ravensburger Wege-Puzzle 🤭

    Weiterhin alles Gute, Thomas!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert