Mi.. Juli 29th, 2026

Tag 21: weiter an der Gave de Pau und dann nach Saint-Jean-Pied-de-Port

Nach dem umfassenden Hotelfrühstück konnte ich kurz vor neun aufbrechen. Eigentlich wollte ich knapp 80 km am Tag fahren, jedoch waren die Hotelpreise zum verlängerten französischen Wochenende im möglichen Ort zum Halten Salies-de-Béarn zu hoch, eine Online-Reservierung wollte mir die Folgenacht andrehen, was ich dann mühsam telefonisch stornieren musste. Da dachte ich mir: bevor ich da lange herumsuche – und es gab wirklich nichts weit und breit, bewege ich mich lieber weiter bis Sait-Jean-Pied-de-Port – es sollte eine Überraschung in einem Vierer-Zimmer werden. Nach ungefähr 10 km nach Pau fragte mich ein Herr auf Französisch, wo denn der Randfernwanderweg 81, der nach Bayonne gehe, weiterführe aufgrund einer Umleitung. Ich fand heraus, dass Luboš, 64Jahre alt, Historiker für osteuropäische neuere Geschichte, aus einem Vorort von Prag stammt und an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag arbeitet.

Ich musste ihm natürlich dann gleich erzählen, dass ich 1993 die Letní Škola dort gemacht hatte, um Tschech zu lernen. Wir beide erinnerten uns an den Organisator Jan Kuchlík, der leider schon verstorben ist – sein Sohn Honza sei jetzt dafür zuständig. Wir gingen alle unsere Erinnerungen an die Zeit des Eisernen Vorhangs durch, von meinen Erkundungen in Böhmen in Zirovnice, seinem Militärdienst, unser beider Eindücke von Moskaubesuchen in den 80er Jahren bis Maueröffnung und dem heutigen Ukrainekrieg, seinen Erinnerungen als Archivforscher in Moskau bei dessen Beginn bis zu Voraussagen, wie dessen weitere Entwicklung verlaufen könnte.

So erreichten wir zusammen Orthez und entschieden, dass es Zeit für eine Mittagspause sei. Bei der ersten Bar im Ort kehrten wir ein. Da kein vernünftiges Essensangebot vorhanden war, teilten wir unsere noch verbliebenen Sachen zu den Getränken der Bar: eine Wurst von Luboš und den übrigen Käse mit Baguette von mir von gestern.

Der Weg Richtung Bayonne und meiner zur spanischen Grenze verliefen noch etwa 30 km gemeinsam. Dort lernte ich über seine Söhne, einer Jurist bei der Regierung, ein weiter war bei Skoda in der Entwicklung und hat Ende Juni gekündigt, weil er das Chaos der großen Strukturen des Volkswagenkonzerns nicht mehr ausgehalten hat, gleich ein Aufhänger über den Niedergang der europäischen Automobilindustrie gemeinsam nachzudenken.

Schließlich müssen wir uns dann schweren Herzens verabschieden und nehmen uns vor, in Prag oder Regensburg wiederzusehen – bei einem guten bayrischen oder böhmischen Bier, das wir hier beide vermissen.

Ich strample dann weiter auf einem sogenannten „Voi vert“ , was im Deutschen etwa bedeutet “ Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen“ , bevor dann der letzt Track ab St. Palais mich über alle möglichen Hügel schickt, um die Höhenmeter zu maximieren ohne Sinn und Verstand.

Als er zufällig auf die Hauptstraße zurückführt, reißt mir der Geduldsfaden aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und ich nehme die Hauptstraße D933 bis zum Ziel. Ich komme mit doppelter Geschwindigkeit weiter und erreiche dann St. Jean Pied de Port gegen halb neuen.

Heute rollert Lucky Luke genüsslich der Abendsonne entgegen.

Im Vierer-Zimmer des Hostels darf ich heute mit einer Chinesin und einer Amerikanerin übernachten. Unter dem Hostel ist ein verkapptes italienisches Restaurant. Ich wähle das Pilgermenü für 15 €, veg. Suppe, Pasta all’Amittraciana, Nachtisch, mit Portwein als Aperitif und lokalen Roten zusätzlich.

Fazit des Tages: 133 km. 958 Höhenmeter.Wenn man will, kann man mehr Kilometer machen, aber auf Hauptstraßen bei wenig Verkehr am Wochenende und ohne LKWs. Pilger halten zusammen und sind solidarisch.

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 21: weiter an der Gave de Pau und dann nach Saint-Jean-Pied-de-Port“
  1. Das ist das Schöne an solch einer Reise,
    man erweitert seinen Horizont auf verschiedenartige Weise,
    nun ein tschechisch-deutscher kultureller Austausch,
    im hintersten Winkel von Frankreich, ein schöner Plausch,
    wei weiß wen Thomas noch so trifft
    – sicherlich nicht Taylor Swift 😂 –
    diese Radpilgerei spiegelt die europäischen Kulturen,
    und erzählt von den historischen Spuren.

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