
Der gestrige Abend ist zur vollsten Zufriedenheit aller Franzosen ausgefallen: im WM-Spiel hat Frankreich gegen Marokko gewonnen und wir konnten den Abend nach wieder einem ausführlichen Abendessen mit exquisiten lokalen Grillsteaks. Bier und Wein ausklingen lassen.Am Morgen hieß es Abschiednehmen von Denis und seiner Familie.

Noch schnell die besten Chocolatin vom Weltmeister 2019 verspeißt,

schiebe ich schon das erste Stück von seinem Haus die 30% Steigung hinunter, dann ließ ich es die gut 300.Höhenmeter in den Hauptort hinunter laufen. Die etwa 15.km.auf der Bahntrasse bis Lourdes waren auch schon bekannt. In Lourdes selber stellte sich schon das übliche Pilgergewimmel ein.
Es ist eine gute 7000 Einwohner große Touristenstadt, Pilgerbusiness und Ausgangspunkt für Pyrenäenurlaub; dementsprechend gibt es dort viele Hotels.
Im Ort befindet sich ein Pilgerbüro der Jakobsgesellschaft, wo ich nach einem netten Plausch gleich meinen Stempel erhielt und die Erklärung zum Ort. Der dortigen freundliche.Mitarbeiter erklärte mir sehr neutral, was es hier in Lourdes doch alles gäbe und sehenswert sei, worin er natürlich auch den Markt für den Gourmand mit einschloss. Er schien ein wenig auf Distanz zu sein zum eiferndernden Marienkult, wie ich ihn auch später noch wahrnehmen sollte. Aber zuerst besuchte ich den Markt. Goggerl, Käse, Tomaten, Baguette, zumindest die Grundversorgung für ein späteres Picknick war zusammen.

Anschließend suche ich die Innenstadtkirche Sacré Cœur auf, außen sieht die Kirche ganz nett aus. Innen gefällt sie mir gar.nicht vom Baustil und dass man einen Kult darum macht, dass besagte Bernadette dort getauft wurde.

Beim Ankommen in der Pilgerzone werde zuerst Mal angepfiffen, nein, ich dürfe das Rad nicht.mit hineinnehmen sondern müsse es abstellen. Auf die Frage, ob die Aufpasserin wenigsten ein Auge dann auf das Rad werfe, war die Antwort ein klares Nein, es sei nicht ihre Aufgabe.
Das angeschlossene Rad wartete auf mich, während ich den Bernadett-Kult.besichtigte.

Sie hat 1856 eine Weiße Frau erblickt, in der sie Maria erkannte, die mehrmals erschienen sein soll.

So ist sie dann Heilig gesprochen worden, ihre Reliquien lagern in der Grottenkirche, genau über dem Erscheinungsort erbaut in mehreren Lagen.

An der Seite kann man das berühmte Lourdeswasser zapfen, in Anbetracht des fehlenden Fahrrads mit den Trinkflaschen reichte es auch mit einer Handwaschung für mich und einer kurzen Probe, den Kult überlasse ich hier anderen.

Die ganze Stimmung war nicht mehr vom Verstand bestimmt, was mich skeptisch macht. Wenn der Mensch aufhört seinen Verstand zu gebrauchen, gibt er das Mittel der Selbstbestimmung aus der Hand: „Sapere aude!“ von Imanuel Kant drückt dies treffend aus. Nicht mein Wallfahrtsort, aber jeder soll nach seiner Fason selig werden …
Ich entfleuche Lourdes und halte einige Kilometer später in einer Picknickzone zur Mittagsmahlzeit meiner mitgebrachten Leckereien an.

Danach geht es am Fluss Le Gave de Pau weiter bis Betharam, wo eine interessante Barockkirche zu einem Besuch einlädt, wieder verknüpft mit einem Wunder, ein Mädchen sei beim Ertrinken im angrenzenden Fluss gerettet worden sein.

Ein Jesuitenpater von hier, Jean-Michel Garicoits, der in Verbindung zur Bernadette von Lourde stand, steht zur Heiligsprechung in seiner Funktion als Gründer der Gemeinschaft der Heiligen Herzens von Betharam an. Die Dame am Devotionalien erkauft gibt mir freundlich einen Stempel und interessiert sich für meine Route.

Ich rollere weiter am Flussradweg und pausiere kurz, wenn der einsetzende Niesel etwas stärker wird, herrlich nach all den Hitzetagen.
Schließlich komme ich um dreiviertel sechs dann in Pau an, checke im Hotel ein und während ich Dusche , geht draußen ein Gewitter nieder. Wâhrenddessen aktiviere ich wieder meinen Blog.
Pau war in mehrfacherweise geschichtlich bedeutend, der französische König Henri IV. ist im dortigen Schloß geboren, auch fanden vom danebenliegenden Place de la Déportation die Verschleppung der Juden in die Vernichtungslager im besetzten Frankreich statt.

Pau ist eine Stadt mit 80 Tausend Einwohnern, also etwa mit Bamberg zu vergleichen. Auch das abendliche Treiben auf den Straßen lâdt ein.

Die Dame an der Rezeption empfiehlt mir zum Abendessen die Brasserie Le Berry, was auch die gefragtesten Adresse des Orts zu sein scheint. Neben mir am Nachbartisch sitzt ein ein einzelner Mann aus Bordeaux von etwa 40 Jahren, ja auch er sei auf Empfehlung hier. Wir bestätigen uns immer wieder die gute Wahl der Speisen, doch seinem Benehmen und Aussehen nach scheint er einer höheren Schicht sich zugehörig fühlend und bleibt eher wortkarg.
Da mein Verbleib in Frankreich die nächsten Tage enden wird, lacht mich nochmal die Foie gras auf der Karte zur Vorspeise an.

Dann wähle ich das Steak au cheval – nein, es ist kein Pferd drin, besteht aus Rinderhack, darunter Zwiebel und obendrauf ein Ei.

Zum Nachtusch noch ein leckeres Himbeertörtchen, da kann doch die geistige und körperliche Regeneration einsetzen.

Fazit des Tages: 70 km, 299 Höhenmeter. Regen der abkühlt. Pau sagt mir zu – Lourdes ist nicht meins.


Rund um Lourdes gab‘s wohl viele Wunder,
gut für‘s Business, jetzt verkauft man viel Plunder,
nennt man natürlich „devotalien“ und „souvenir“,
aber sind die wirklich alle von hier?,
schaut man auf die versteckten Stellen, was liest man da? –
made in China! 😄