Di.. Juli 28th, 2026

Tag 13: Der Drahtesel und das Zentralmassiv

Die ersten etw 10 Kilometer rollerte ich mich ein.

Ich war auf der Suche nach einer Schraube, die ich verloren hatte am Clickpedal. Das Fahrradgeschäft im nächsten Ort ist nicht geöffnet. Der Besitzer ist nicht auffindbar. Somit rät mir ein Handwerker, ich solle doch zu einem Baumarkt Baumarkt/ (‚Bricolage“) gehen. In der Arbeit steht Bricolage als Synonym für unprofessionell Basteln. Nachdem die passende Schraube im Baumarkt nicht verfügbar ist – kurz und mit Imbus bei 5 mm, wird der mich beratende Mitarbeiter kreativ, der Baumarkt kann sich doch nicht die Blöße gegeben nichts für mich zu haben: er wählt eine Kreuzschlitzschraube aus, verschwindet kurz um sie Abzusägen und kommt mit Schraubenzieher zurück und schraubt sie an meinem Schuh fest. Sitzt perfekt und kostet nichts.

Ich trete weiter , die Route geht auf den Track von Robert Stevenson, der mit eimem Esel durch die Cevennen wanderte und es mit seinen Reiseerzählungen zu einer Berühmtheit brachte. Vielleicht ist es hier bei der Routenplanung schon zu ersten Verwechselungen gekommen: Das deutsche Wort Drahtesel suggeriert eine Nähe zum tierischen Pendent, jedoch kommt das Störrische beim Drahtesel in meinem Fall durch Denis Track; dieser war nicht mehr fahrbar wegen Wurzelwerk, Bachüberquerungen und Steinen. Kann Mal vorkommen für eine Passage von einem Kilometer.

Erste Zweifel kommen auf an seiner Routenplanung für mich.

Nach diesem Erlebnis habe ich das Bedürfnis, doch vor dem Mittagessen einige Kilometer zu fahren – nichts einfacher als das, auf die Hauptstraße N44 und 20 km sind in eineinviertel Stunden trotz Höhenmeter erledigt. Ich bin wiedér beruhigt, habe ich doch zur Mittagszeit mehr als 40 Kilometer. Ich buche mit in weniger als 40 km auf Google Maps in Ispagnac ein Hotelzimmer, sollte ja dann kein Problem sein und ich komme Mal etwas eher an – so der Plan. Die Mittagspause lasse ich aus, da die Hitze erträglich und gönne mir den letzten verbliebenen Schweizer Müsliriegel.

Über einige Holperwege komme ich nach Bagniere-les-Bains.

Dort fließt der Fluss Lot durch, so wie auch das Department heißt.

Auf dem Weg dorthin treffe ich Allain Er ist 82 Jahre, hat eine große Tochter mit 56 Jahren in den USA und freut sich in Kontakt mit Menschen zu treten. Heute geht er nur noch zu Fuß oder fährt mit seinem Mountainbike. Er hat viel im Leben erlebt, hat Jahre in Paris gelebt, kommt aus Lyon und wohnt wieder in dieser Gegend. Er freut sich, das sich ein Gespräch zwischen uns ergibt – die Leute heutzutage sind alle so in Eile und haben dafür keine Zeit mehr.

Nach dem Ort Bagniere-les-Bains geht es bergauf, der Track zeigt eine Abzweigung nach links, die ersten 3 km gehen auf geteerter Straße bis dann die Route in einem Naturweg übergeht. So schiebepilgere ich die nnächsten mindestens 15 km hinauf bis auf 1450 Meter und komme über Wurzel- und Steinwege wieder hinab.

Denis, was hast du dir mit dem Track gedacht. Ja , landschaftlich sehr schön, aber so eine Route würde ich meinem ärgsten Feind nicht antun! Einige Male geht es durch Bäche, dann über mehrere Kilometer unfahrbarenund teilweise ungehbare Passagen. Was war deine Motivation, mich auf so einen Treck zu schicken?

Ich gehe die Optionen im Kopf durch: 1) Denis wollte verhindern, dass ich bei der Tour de France ankomme. 2) Es könnte eine Verschwörung dahinterstecken, wer auch immer: KGB, andere Geheimdienste, Weltverschwörung … 3) Es ist eine Prüfung für.mich. Heute hat mein Sohn Konstantin die Aufnahmeprüfung für einen Studienplatz in Wien, meine Frau erhält Unterrichtsbesuch von Ihrer Rektorin und so will auch ich aus Sympathie meine Prüfung für was auch immer annehmen. höhere Ämter? Zu alt. Spirituelle Prüfung? Wofür?Ich würde so eine Track nicht Mal meinem schlimmsten Feind antragen. Spekulationen bleiben, was Denis damit im Schilde führt.

Cher Denis, la route, que tu m’a proposé, est inacceptable. Pourquoi l’as-tu fait? Est-ce que je suis un chef si mal?J’ai complétement perdu confiance dans ton route. Dès demain, je prépare mes routes moi-même.A+Thomas

Schließlich liegt nach allen Querfeldeinfahten ein Stein auf der Straße, der um halb 8 abends eine Stunde vor dem Ziel zu einem Schlauchplatzer führt. Wohl geübt auf der Italientour tausche ich dem Schlauch in wenigen Minuten aus.

Somit komme ich dann um nach halb neun ins Ziel nach 88 km und 1350 Höhenmeternl zu gebuchten Unterkunft und vereinbare mit dem Besitzer, das wir uns zuerst Mal ums Abendessen kümmmern.

⚡⚡⚡⚡ Never do this trail with a 🚳

Ich bestelle einen Kir, einen halben Liter Rotwein zum Essen bestehend aus Salat mit geräucherter Ende, anschließend ein Stück Rinderfleisch mit Pfeffersoße. Zum Nachtisch gibt’s noch eine Creme Brullée.

Der Körper braucht Trost nach all den sportlichen Anstrengung. Der Geist Seelennahrung nach den Verwirrungen. Das Fahrrad wird vom Wirt mit dem Kompressor richtig aufgepumpt und bekommt Kettenöl. Wir beide, mein Fahrrad und ich, fallen erschöpft in den Schlaf.

Fazit des Tages: Das Zentralmassiv werde ich rückwärts auf solchen Wegen nicht mehr durchqueren, auch wenn es landschaftlich wirklich schön ist ….

Vergleichende Weisheit: Um von Regensburg nach Prag zu fahren, wählt man auch nicht den Weg über den Osser.

Von admin

4 Kommentare zu „Tag 13: Der Drahtesel und das Zentralmassiv“
  1. Ein so langer, schöner Tagesbericht – wo fange ich da an?

    Erstmal zum Begriff des „bricoleur“, der ja grundsätzlich das Handwerken beschreibt; darüber hinaus gibt es im Französischen auch noch die „Steigerungsform“, die den Gelegenheitsbastler ohne irgendwelche Kenntnisse kennzeichnet – den „bricoleur du dimanche“…

    Was gibt’s sonst noch zu sagen:
    Den Drahtesel könnte man zur Not auch tragen 🙂
    nicht zu empfehlen mit dem tierischen Pendant,
    der sähe das wohl eher als Affront.
    Auf Schotterpisten wird’s nie fad,
    die Reifen freuen sich wenn das Ende naht,
    nur kommt es manchmal noch viel schlimmer,
    über Wurzelwege fährt man nimmer
    (siehe Empfehlung weiter oben 🙂 )
    Das Zentralmassiv hat Thomas überwunden,
    hat sich den ganzen Tag geschunden,
    und klar doch, wie endet der Tag,
    wieder mal mit einem Fressgelag‘ 🙂

    Weiter so, Thomas, bleib tapfer!
    Jetzt kommen nur noch die Pyrenäen 🙂

    Noch zum Schluß frei nach Falco:
    Ich krieg‘ von Denis Track niemals genug
    er ist in jedem Atemzug
    Alles dreht sich nur mich
    Warum ausgerechnet ich?
    Zähl‘ die Stunden, die Sekunden
    Doch die Zeit scheint still zu stehen
    Hab‘ mich geschunden, gewunden
    Lass‘ mich gehen
    Was willst du noch?
    Willst du meine Tage zählen?
    Warum musst du mich
    Mit diesem Track hier quälen?
    Die Hölle brennt in mir
    Wo ist mein Überlebenselixier?
    Ich bin zerrissen
    Wann kann ich zu Abend essen?

  2. schickst den Kollegen die Bundesstraße auf die Rusel zum Geißkopf und die Downhill Strecke wieder runter…

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