Gestern Abend habe ich herausgefunden, dass das Sidraritual auch prozesstechnisch optimiert werden kann. Wiederkehrende menschliche Handlungen, die Geschick, Präzision und auch Konzentration erfordern, werden im Zuge des Fachkräftemangels auch in Asturien zunehmend automatisiert. Also in Alltagssprache: weil’s keiner mehr tun will, zuviel verschüttet wird und das Einschenken ungleichmäßig erfolgt, steigen die Wirte in den Sidrerias auf diese Geräte um.

Der Besitzer der Unterkunft legt mit wärmstens ans Herz, ich möge mir doch Llastres anschauen. Es habe einen schönen Aussichtspunkt und Hafen und wenn ich doch eh nur bis Llanes heute fahre, sei das überhaupt kein Problem. Sein Vorschlag klingt vernünftig, auch bringt das Erfahren des Aussichtspunktes die nötige Dosis an Höhenmetern am Morgen mit sich – ich glaube seit Galizien hat sich ein weiteres Abhängigkeitsverhältnis etabliert , auch mit Höhenmetern kann man „high“ werden. Auf dem Weg dorthin komme ich am Museum für Naturkunde vorbei, ein Dinosauriermuseum. An dem Strand- und Küstenabschnitt, wo ich gestern schwimmen war, wurden Dinosaurierskelette gefunden und für Familien die hier Urlaub machen ist dies eine gute Ablenkung zwischendurch.
Der Blick vom Aussichtspunkt ist beeindruckend, auch wenn sich die Berge mit über 1100 m in leichte Wolkenschleier hüllen.


Noch schnell einen Kaffee und ein Croissant und schon geht’s wieder weiter. Teile der durchquerten Felsformationen erinnern mich an die fränkische Schweiz.

Die Hauptstraße N632 ist sehr schwach befahren und schlängelt sich an die Hügel parallel zur Autobahn – links das Meer, rechts der Berg bis ich mittags in Ribadesella bin.

Ich rollere ausführlichst durch den Ort, am Hafen entlang, schau mir die Kirche an,


alles, um den mystischen Zeitpunkt 13 Uhr nicht zu verpassen, um biorhyrhmusgerecht mir Tintenfischchen und Caña zuzuführen

zur seit gestern Mittag nur dürftigen festen Nahrung. Wenn man damit bis 13:15 vielleicht auchb13:30 wartet, sind soweit alle Tische belegt, dass für einen Alleinreisenden kein Platz mehr bleibt.
Der weitere Weg danach führt wieder zwischen Meer, Eisenbahn, Autobahn und Berg,

wunderschöne Strände kommen vorbei.

Das einzige, was in der Gegend zu haben war als Unterkunft, was unter 150 € für eine Nacht blieb, war ein Hostel für 36 € – also heute Hostel.
Mal sehen, was das wird.
Nach dem Hübschmachen gehe ich durch den Ort. Typischer Küstenferienort mit vielen Tavernen und Geschäften, die auf Urlauber spezialisiert sind.




Fazit für heute: 66 km, 781 Höhenmeter.
Meide den Camino del Norte im August, wenn du budgetoptimiert reisen willst – oder gehe in Hostels.



Prozeßtechnische Optimierung,
hör ich mit Verwunderung,
hat Thomas den Beruf gewechselt?
Oder hab ich da was verwechselt?
Fachkräftemangel in Spanien sogar,
jetzt wird mir vieles klar,
der Thomas wechselt doch nicht ins Sidra-Metier!?
Weg von Automotive!? Oh weh!
Aber – was könnt es besseres geben?
Das wär doch ein geiles Leben! 😃