Die Höhenmeter und der Wein hatten mich gestern Abend so geschafft, dass mir der Schlaf wichtiger war als das Siegestor der Spanier, davon erfahre ich in der Früh beim Erwachen kurz vor sieben, aber draußen ist es noch relativ dunkel. Ich denke mir, da bist du aber schon weit im Westen, dass die Sonne so spät aufgeht. Nach dem Frühstück bei der Abfahrt sehe ich, dass der Ort komplett im Nebel liegt. Der Hotelbesitzer erklärt, ja sie hätten jeden Tag im Jahr Nebel. Ja liebe über den Novembernebel lästernde Regensburger! Es kann einen Ort noch schlimmer treffen und das im warm gewähnten Spanien.

Am Ortsausgang haben sie ein Pilgermonument aufgebaut, noch schnell ein Nebelbild von einer Fußpilgerin machen lassen.

Somit habe ich zum Kloster Samos die ersten kühlen Radkilometer auf meiner kompletten Reise nach Santiago! Der Eurovelo 3 verläuft auf der Hauptstraße. Im Klister gibt es auch wieder nur Besichtigung gegen Bares und mit Führung. Da heute genug Zeit ist und die Führung in 15 Minuten beginnt, nehme ich mir die Zeit, und sie hat sich gelohnt.

Samos ist ein Benediktinerkloster mit 16 Mönchen und 2 Novizen.

Dort hat es einen Brand gegeben im Jahr 1951 und der zersörte Trakt ist vollkommen wiederhergestellt worden, die Malerei darin von Künstlern der Zeit, die sich Leben und Wirken des Benedikt von Nursia beschäftigten.

Die Ordensregel „Ora et Labora“, also beten und arbeiten, bildet die Grundlage, wie die Kultur in Europa im Mittelalter entstanden ist – Abspaltungen davon simd Cluniaszenser, Karthäuser, Zisterzienser und viele andere mehr. Durch wirtschaftliches Handeln, schulisches und religiösem Engagement haben sie die Kultur Europas geprägt.
In der spanischen Führung war eine Koreanerin. Als sie zu erkennen gab, dass sie gar nichts davon verstehe, wurde ich kurzerhand zum Übersetzer für sie von Spanisch auf Englisch – mein erstes Engagement in diese Richtung – sie hat sich zumindest sehr gefreut und mehrmals bedankt.

Durch die nebligen Lichtverherältnisse kam die Basilika des Klosters nicht so zur Wirkung.

Der Würdigung der Orgel als größtes Instrument Galiziens konnte die Führerin aber für mich keine Spielprobe folgen lassen.
Ich machte mich weiter auf den Weg nach Sarria, wo die Einfahrt in die Stadt für Radfahrer wunderschön ausgeschildert war, die Ausfahrt jedoch nicht. Ich folgte dann den Autoschildern nach Santiago, was mich ans falsche Ende der Stadt lotste. Durch eine Schleife fand ich zurück zur Regionalstraße LU-633, die mich seit gestern begleitet und kurbelte weiter bei einsetzendem Sonnenschein.

Heute hab ich nach 30 km schon 450 Höhenmeter, also es geht dauern rauf und runter, also ist Zeit für eine Pause in einem schattigen Bushäuschen zum Aufzehren der Restvorräte vor deren Verrottung.
Auf der Weiterfahrt zweigt der Eorovelo 3 nach rechts ab. Ich denke, etwas Schatten und ein Ausflug ins Gebüsch kann nach der Mittagspause nicht schaden, doch ich muss es büßen mit zusätzlichen Steigungen.

Der Eorovelo 3 führt hier über alle Hügel parallel zum Jakobs-Fusspilger-Weg. Kurz darauf ist die Bar O’Couto, wo Zeit sein muss für eine kurze Siesta.

Von da an geht es wunderschön durch die Natur bis Portomarin,

das an einer Art Stausee liegt, doch dann beginnen weitere lästige Höhenmeter, wieder bei wunderbarer Sicht.

Von den Höhenmetern mache ich heute etwa soviel wie gestern.Meine Frau ruft mich um sechs an, da bin ich immer noch unterwegs und 4 Kilometer vor der nächtlichen Bleibe.
Im Zimmer angekommen, sehe ich die Nachricht von Martin, er ist heute schon in Santiago angekommen und ob ich es morgen noch schaffen würde, dass wir gemeinsam dort zu Mittag essen. Ich rechne: 7 Uhr Frühstück, 8 Uhr los 70 km ohne große Steigungen – sollte hinhauen. Martin sucht schon Mal ein Restaurant aus – um drei muss er am Flughafen sein.
Nach dem Duschen gehe ich durch die Stadt. Bei der Kirche gibt es einen Massenauflauf. Was ist da los? Es geht zu wie auf einem katholischen Jugendtag der 50er Jahre. Es war Abendpilgermesse um sieben und nun ist im Anschluss Stempelverteilung. Alle Stempeljäger sind gekommen, da auf den letzten 100 km auch die Fusspilger zwei Stempel am Tag brauchen.
Der Hotelconcierge hat mir ein Lokal zum Pulpoessen empfohlen. Es ist vollgestopft. Nur am Fenster ist noch ein Hochtischchen frei, das mir der Wirt zuweist: Pulpo und Patatas bravas con ajilo mit einer Flasche Hauswein werden heute mein Tagesabschluss.

Fazit für heute: 73 km, 1259 Höhenmeter – nur 8 weniger als gestern. Ein wunderschönes Kloster besucht und das Auf-und-Ab macht mürbe.


Hallo Thomas,
Ein toller Blog! Jetzt muss ich erst mal nachlesen. Ich war die letzten Tage etwas abgelenkt von der Arbeit.
Weiterhin viel Spaß beim Radeln!
Mein Hintern ist heute noch beleidigt nach nur 300 km Gravel-Tour.
Brauche dazu mal eine Experteneinweisung 🙃
Markus
Nach all den heißen Hitzetagen,
läßt sich der Nebel gut vertragen,
jetzt aber schnell eine Queimads-Beschwörung,
um die Nebelgeister zu betören! 😱
Flott geht’s dahin auf dem Eurovelo 3,
eine schöne Abwechslung zur bisherigen Plagerei,
sogar Zeit für einen Besuch im Kloster Samos,
der war wirklich sehr famos,
nur eins – das gab’s im Kloster nicht,
(griechischen) Wein – also übt Thomas Verzicht 😃
(ist dann was für die nächste Reise 😂)
Jaja, vor dem Erfolg kommt der Schweiß,
und weitere Höhenmeter, wie Thomas weiß,
aber die sind ja das Salz in der Suppe,
der Radpilgerei, von Hügelkuppe zu Hügelkuppe,
zur Belohnung gibt’s Pulpo und Patatas,
und einen kräftigen Wein, welch ein kulinarischer Spaß!