Di.. Juli 28th, 2026

Am Sonntag hatte das Frühstückscafé am Hotel geschlossen. Ich hatte mich schon am Tag davor mit Lebensmittel eingedeckt aufgrund der Erfahrung gestern und in Erwartung der gefürchteten Passhöhe Cebreiro. Eine langezogene Ausfahrt führte aus der Stadt. Vor einer Kirche saß eine mittelamerikanische Frau und verteilte Stempel. Da heute die letzten 200 km anbrechen, brauche ich zwei am Tag.

Erste Anstiege kamen nach etwa 10 km, doch die Höhenmeter musste ich immer wieder abfahren – wie gewonnen, so zerronnen.

Der Weg führte durch die Weingegend des Bierzos. Ich komme durch einen Ort, wo diese Tage Römermarkt ist. Also nicht nur in Bärnau, wo man einen mittelalterlichen Markt alle zwei Jahre mit Spektakel abhält, hat diesen Virus befallen. In der Umgebung gibt es auch viele römische Ausgrabungen.

Villafranca kommt als nächstes und ist ein netter Ort mit Burg.

Noble Pilgerherrbergen gibt es schon seit Jahrhunderten, so wie diese.

Nach der Stadt führen alle Straßen am Fluss Valcarce entlang, dessen Tal sich sehr verengt: Autobahn, Nationalstraße und Gemeindestraßen in die spärlichen Orte. Ich fühle mich fast wie im Eisacktal bei der Brennerüberquerung.

Nach etwa 40 km sehe ich einen schattigen Ort mit Wasserquelle – die Brotzeit muss verspeist werden, um das Zuladungsgewicht zu reduzieren – zumindest virtuell.

Es geht ab jetzt wieder stärker bergauf, einer schiebt ganz zerzaust, ich frage ihn , was los ist und sehe es ist Kamel aus Polen, den ich schon vor 3 Tagen getroffen hatte. Ja, er braucht eine Pause. Bei mir geht es grad los, da fällt mir wieder ein Feigenbaum an der Straße auf, wo schon abgefallene Früchte die Straße zieren: gleich anhalten und probieren.

Der Weg ist mühsam, aber größtenteils im Schatten. Das anstrengenste sind die Fliegen, die der Fahrtwind unter 15 km nicht mehr vertreibt. So schraube ich mich 600 Höhenmeter hoch auf der fast menschenleeren Nationalstraße.

Als ich an deren Höhe ankomme,

geht ein Weg ab und die nächste Passfahrt zum Cebreiro beginnt: nochmal 200 Höhenmeter.

Wie ich aber lerne, ist der in der Camino-Literatur viel beschriebene Cebreiro noch nicht das Ende vom Lied. Der Südtiroler würde sagen: ein Tries aus Pässchen – Cebreiro – San Roque – Poio.

immer natürlich mit den herrlichsten Aussichten geht es auf dem Dreizehnhundertniveu auf und ab gute 10 km lang.

Dann kommt eine 7% Abfahrt für weitere gute 10 km, dann sind die Höhenmeter wieder vernichtet.

Ich erreiche mein Hotel, bei dem ich sehr positiv überrascht bin für den Preis.

Zum Abendessen gehe ich zum Restaurant im Ort , Xacobeo, wo auch ein Schirm zum mitfiebern beim WM-Finale aufgebaut ist. Ich wähle das Hausmenue Galicia callos als ersten Gang, was mich ein bischen an das südfranzösische Cassoulet erinnert, jedoch mit Kichererbsen und alles vom Schwein.

Hinterher die Rinderzunge.

Beide Gerichte sind als lokale Spezialitäten ausgewiesen. Dazu ist ein roter Hauswein dabei, ich bekomme eine ganze Flasche hingestellt. Das lässt mich dann nur bis zur Halbzeit durchhalten und mich überfällt mehr Müdigkeit als Spielbegeisterung.

Fazit für heute: 78 km, 1267 Höhenmeter. Die vom Cebreiro so Angst haben, sollten mal durch das französische Zentralmassiv fahren …

Von admin

5 Kommentare zu „Tag 29: Die Königsetappe“
  1. Den Cebreiro muss Thomas bezwingen,
    die Pässe muss er niederringen,
    da komme ich ins Grübeln, nämlich –
    warum heißt der Höllenhund so ähnlich?
    Gott-sei-dank ist der Hades weit weg,
    irgendwo in Griechenland, gut versteckt,
    Mensch Thomas, da hätt ich eine Idee,
    für die nächste Rad-Odyssee,
    mit dem Fahrrad auf Homers Spuren,
    und griechischen Kulturen,
    einmal rund um den Peloponnes,
    zum Speisen Spezialitäten wie Oliven und Schafskäs‘…

    jetzt aber zurück auf den Camino,
    auf ein leckeres Abendessen und einen Vino,
    und dann gleich in die Klappe,
    morgen geht’s auf die Schlussetappe!

      1. So soll es sein, so soll es bleiben,
        so hab ich es mir gewünscht,
        alles passt perfekt zusammen,
        Wenn wir zusammen radeln geh‘n! 😎

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert