Di.. Juli 28th, 2026

Am Morgen im Hotel berichtete im Frühstücksraum das spanische Morgenmagazin ausführlichst über den Gegner Spaniens im WM-Finale am kommenden Sonntag: Argentinien. Ich hatte mir vorgenommen, früh zu frühstücken, da bis Sahagún eine Etappe mit fast 130 km bevorsteht. Ich verlasse Burgos auf Innenstadtradwegen.

Der Jakobsweg ist zwar für  Fußgänger gut ausgeschildert, für Radfahrer ist das ganze etwas undefiniert. Die Nationalstraße N120 sieht sich als europäischer Kulturweg, eigentlich für  Autoverkehr, jedoch ist in den letzten Jahren eine Autobahn A12 gebaut worden, die fast immer in Sichtweite verläuft.  Somit hat die Autobahn den ganzen Fernverkehr aufgesogen und die N120 ist in weiten teilen relativ menschenleer, also ideal um Strecke zu machen. Der Fußpilgerweg heute verläuft auch über weite Strecken direkt neben der Hauptverkehrsstraße. Zwischen Logroño und Santo Domingo war kaum Verkehr, zwischen Domingo und Burgos sehr viel Verkehr, auch Schwerlastfernverkehr, zwischen Burgos und León wieder kaum.

Anfangs habe ich heute noch versucht,  eine Alternative zu finden bei der Ausfahrt aus Burgos,  doch man verhäddert sich dann schnell in Ecken, die dann Zei kosten, Material strapazieren oder den Hintern durch Geholpere aufreiben. Nach 25 km und den ersten 300 Höhenmetern kommt das erste Durstgefühl und ich überlege zu trinken. Doch wo sond meine Flaschen? Ich habe offensichtlich im Hotel vergessen, sie ans Fahrrad zu stecken.

In der Bar im nächsten Ort kaufe ich mir eine Fanta. Die Frau am Tresen will gleich beim Hotel anrufen, als ich ihr die Geschichte erzähle und frage, wo man hier Trinkflaschen kaufen könne. Hier nicht, in etwa 20 km gebe es einen Supermarkt, da könne ich fündig werden.

Ich trete die 20 Kilometer auf der N120 weiter, ich komme mit mehr als 20 km pro Stunde voran, also in einer knappen Stunde bin ich dort in Melgar  de Fernamental. Der Supermarkt hat alles, aber keine Trinkflaschen, zumindest Baguette, Chorizo, Käse und Fanta, ich werde zu einem Haushaltswarenladen geschickt, der schickt mich zu einem Gemischtwarenhändler, der hat zumindest noch eine mit 500 ml à 6 €: zumindest etwas. 

Außen rum herrscht Markttreiben. Ich setzte mich auf eine Bank und betrachte das Markttreiben – die zwei Liter Fanta verdunsten dabei.

Bevotr ich mich im Ort festbeiße, trete ich weiter nach Osorno. Eine kurze Mittagspause mit einem Weinderl, aber auch nicht der Ort, um zu bleiben.

In Carron de los Condes gönne ich mir um drei die Mittagspause. Eigentlich will er Pilgerort am Jakobsweg sein, aber irgendwie alles ausgestorben. Ich finde eine schattige Bank unter einem Baum und kann brotzeiten.

Der Ort könnte soviel aus sich machen: drei berühmte Kìrchen, ein ehemaliges Clunieszenzisches Kloster , doch alles geschlossen. Ich gehe die letzten 42 km meines Busstretens an. Der Wind bläst mir von vorn heftig ins Gesicht, ein weiteres Demotivationselement, das es zu überwinden gilt. Zum Glück finde ich im nächsten Ort wieder eine Wassersäule, sodass ich die neue Flasche zum ersten Mal vollfüllen kann.

Also Radpilger, bedenke, dass Du treten musst – memento cyclar. Die lange gerade Strecke bis zum Horizont, die Hitze – zwar gelindert durch Wind und temporäre Beschattung durch Wolken, das Nicht-Nachdenken-Müssen über die Routenführung durch klare Vorgabe der N120: es fühlt sich an wie ein sportlich nicht enden wollender Bussgottesdienst.

Um halb acht komme ich in meiner nächsten Übernachtung im Domis Viatoris in Sahagun an. Das erste mal rieche ich Feuer, Hubschrauber sind in der Luft. Aber die Brände hier scheinen lokal begrenzt zu sein.

An der Bar entspanne ich nach dem Duschen bei zwei Bier bevor ich dann vom Menue Spaghetti, Merluzza und Eis wähle und vertilge.

Fazit des Tages: 130 km, 818 Höhenmeter, Treten als sportlicher Bussgottesdienst.

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 26: Die N120“
  1. Pilgerlied:
    I foa in da Hitz, auf der Calle del Sol,
    die fias dan ma weh, fühl mi ned wohl,
    meine Pilgerfreind san oboscht, habn mi verlossn,
    jetzt foa i alla do, etwas verdrossn,
    und hab kaane Floschn,
    i hab kaane Floschn –
    die hab i im Hotel lassn 🥲
    Auf amoi siach i an supermercado,
    i wü Zwa so Floschn, es san oba ka do,
    des haut mi ned fire,
    na, des haut mi ned fire…
    I wollt doch nur was zum dringa,
    dann halt a Fanta, is a ned der bringa 🥹
    I wü nach Santiago de Compostela,
    oba jetzt reichts ma boid, a geh, na,
    i steh auf an Badeurlaub,
    und ned aufn Wüstenstaub! 😫

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