Di.. Juli 28th, 2026

Spanien hat gestern Abend im WM -Halbfinale gegen Frankreich gewonnen – gut dass ich den Platz im Kaffee zum Fußballschauen rechtzeitig für die lokalen Fans geräumt hatte. Am morgen hole ich mein Rad nach einem opulentem Frühstück im Parador aus dessen 300 Meter entfernten Stellplatz in der Stadtmitte. 

Nach Zähneputzen und Fertigmachen breche ich auf Richtung Westen. Die Weizenernte ist in vollem Gang auf riesigen Feldern. 

Zu Wein und Weizen gesellen sich bald die Felder von Pimientos und Sonnenblumen. 

Die Ebene verengt sich. An den auftauchenden Hügelketten sind einige Abbaugebiete, ich lese Sulfat.

Belorado ist der nächste größere Ort, Zeit für eine Fanta und einen Pilgerstempel.

Gegen halb zwölf fahre ich weiter auf der Bundesstraße N120, der Verkehr ist stärker als gedacht. Gestern war auf der Hauptstraße parallel zur Autobahn gar nichts los, heute kommt ein LKW nach dem anderen, sodass ich mich auf den Seitenstreifen konzentrieren muss. Auch kommt ein längerer Anstieg, der mich auf über 1000 Meter Meereshöhe bringt.

Das Abfahren verlängert sich, erst in Zalduendo etwa 17 km vor Burgos ist eine Kneipe – Zeit für Rast und einen Mittagswein.

Die restlichen Kilometer werden das übliche Auf-die-Großstadt-Zugebolze. Das Hotel Cordon liegt im Innenstadtbereich und ist somit ideal für eine Kathedralenbesichtigung nach einer Dusche, bevor am Abend die Tore zugeöert werden..

Man merkt schon beim betreten des Domes, dass es sich um eine andere Liga von Kirche handelt. Selbst mit Pilgerausweis ist der Eintritt 6 €. Der Dom hat sich aus einer ursprünglichen romanischen Kirche entwickelt, über gotischen Äußeres zu Barocken Inhalten, sehr unterteilt in verschiedene Sektionen.

Man sieht, dass sehr viel Reichtum da war, der sich seine Verewigung suchte.

Am Ausgang greife ich noch den Do-it-yourself-Pilgerstempel ab.

Der Concierge im Hotel empfiehlt mir das Casa Pancho. Ich mache mich um acht auf Richtung Abendessen. Dort angekommen sehe ich, das sie seit Neuestem einen Ruhetag am Mittwoch eingeführt haben. Nicht so schlimm, es ist die Straße der Tapas-Bars. Gleich daneben ist das La Quinta del Monje, auch gut, einen Rioja mit der Blutwurst und dem Thunfischbrötchen. Zu. Schluss noch Hähnchenfleischstückchen – drei Wein, drei Tapas – 16 €- für heute reicht’s.

Beim Riberra del Duerte(*ein anderer Rotwein) zur Abwechslung gesellt sich am Tresen Yong zu mit , ein Hausarzt („family doctor“) aus Singapur. Er macht den Camino als Abschluss seines Reisejahrs, er hatte die Faxen dick nach gut einem Jahr Arbeit. Er sagt, er habe so viele Leute gesehen, die sich sowas für die Rente aufheben oder wenn sie Geld haben, jedoch wird aus verschiedenen Gründen nix mehr draus in ihrem Leben. Er fühlt sich privilegiert als Singapurianer, so eine Auszeit machen zu können- reich ist man, so reich man sich fühlt. Er wird halt anschließend wieder etwas in der Richtung als Arzt arbeiten, wenn er wieder Geld braucht. Er liebt die spanischen Tapas, die in Singapur Luxusgut sind. Auch ohne Interesse am Fußball gefällt ihm das Gemeinschaftsgefühl wie am gestrigen Abend, sowas kenne er von zuhause nicht. Er überlegt schon,wie er es organisiert, um Finale in einer größeren Stadt zu sein.

Der Camino sei etwas für ihn selbst, wo er in seinem Tempo zu sich selber finden will. Er erzählt mir, dass er viele bekannte er i.mer wieder trifft, es beim Fusswandern eine Art Blasenbildung von Leuten gibt und ob man beim Fahradpilgern auch immer wieder die Gleichen trifft – eher die Ausnahme ist meine Antwort.

Das alles besprechen wir bei dem Halbfinale England-Argentinien in der ersten Halbzeit, wo ständig Unruhe in der Kneipe herrscht wegen Bildausfall. Ihn zieht es weiter zu seinen Freunden in eine andere Bar, mich nach der Halbzeit Richtung Hotel.

Beim Rückweg strahlt die Kathedrale in ihrem Abendlicht.

Fazit des heutigen Tages: 76 km, 738 hm, für sich selbst unterwegs sein und vor sich hinzutreten bei Bewunderung der Landschaft ist auch schön.

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 25: Nach Burgos“
  1. Mit Ironie ist es nicht leicht,
    mal ist sie überspitzt, mal zu seicht,
    schnell wird man als Lästermaul abgestempelt,
    wenn man jemanden verbal anrempelt 🥺
    zukünftig versuch ich die Fettnäpfchen zu meiden,
    kann ja den Thomas super gut leiden 😘

    Nach Burgos ging’s also am gestrigen Tag,
    – an dem England Argentinien unterlag –
    diesmal auf reifenschonenden Straßen,
    das freut den Radpilger über alle Maßen,
    Felder soweit das Auge reicht,
    die Gedanken werden leicht:
    „Ein Bett 🛌 im Kornfeld, das ist immer frei,
    ein cooles stay-over, was ist schon dabei „ 🤭
    Aber Thomas ist im Hotel Corda abgestiegen,
    der Vorteil – es gibt keine Mücken und Fliegen,
    dafür einen entspannten Abend in einer Tapas-Bar,
    mit leckerem Essen, wie wunderbar,
    sowie einem interessanten Gedankenaustausch,
    das ist Pilgern –
    die Welt ist ein Dorf, immer jemand da für einen Plausch!

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