Da in der Herberge kein Frühstück gereicht wird, brechen die Pilger schon zeitig auf. So tun es die zwei tschechischen Damen im Schlafsaal noch vor sechs. Somit werde auch ich wach. Mit Schmieren, Zusammenräumen und Zähneputzen wird es sieben bis ich weiterkomme. Ich verabschirede mich von Remy.

Ein kleiner Schlenker über den Bahnhof bringen mir eine Banane und ein Pistazienhörnchen. Eigentlich will ich es bei einer schönen Stelle draußen verspeisen. Doch unmittelbar nach der Seeüberfahrung begann der Anstieg. Die Steigungen kletterten auf über 10 %.
Ohne Frühstück im Bauch, mit dem vielen Gewicht um den Bauch und in den Fahrradtaschen sowie der fehlenden Megaübersetzung war die Moral bald am Ende. Also war schieben angesagt.

Die Rennradschuhe mit den festen Sohlen sowie den Pedalen erwiesen sich dazu auch nicht zuträglich. Auch wäre das Schieben mit einem höheren Lenker einfacher gegangen! Ich flüchtete mich vom Teerweg in prallen Sonne zu dem Fußpilgerweg im Schatten.Dort waren natürlich Wurzeln, was das Schieben erschwerte.
Also die anderen Schuhe anziehen, Lenker hochschrauben und weiterschieben, Stück für Stück. Schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich bei St. Meinrad nach 500 Höhenmetern an. Dort tauchen wieder die zwei tschechischen Damen auf – sie haben es zu Fuß in ähnlicher Zeit geschaft. Sie gehen heute noch bis Einsiedel und dort Endet ihr Weg. Wir verabschieden uns und ich trete weiter bis Einsiedel; es sind noch ein paar Höhenmeter zu machen

Das Kloster ist beeindruckend. Nachdem das Office um 11 schon geschlossen ist, gibt mir ein Ordner in der Kirche noch den Stempel und sperrt das Büro nochmal auf.


Als ich die Kirche verlassen und mich auf eine Bank zu setzen und zu sinieren, wie ich jetzt ohne weitere 1000 Höhenmeter bei 35 Grad weiterzukommen, kommt Remy auf mich zu – so ein Zufall. Er hilft mir bei der weiteren Planung – wie sich hinterher rausstellen soll, wird es nicht ganz ohne weitere Steigungen gehen.
Um die Mittagszeit wird es immer heißer – auf einem Thermometer sehe ich 40 Grad. So gönne ich mir eine zweistündige Siesta unter einem großen Sonnenschirm mit Brunnen beim Gemeindehaus in Staller. Dort plane ich die Route nochmal um, da meine Navi kūrzeste Wege ohne Höhenmeterverluste liebt. Die Fahrt in der Landschaft jedoch ist atemberaubend.

Auch halte ich während der Fahrt bei einem kurzen Halt die Füsse in den See zur Abkühlung.

Von Gersau aus gibt es eine Autofähre ans andere Seeufer, ähnlich wie am Bodensee, der einzige Unterschied: in der Schweiz ist alles doppelt so teuer.

Als ich schließlich kurz nach sieben im Hotel ankomme, bin ich so platt, dass ich gleich nach dem Duschen einschlafe bei der Tagesschau – eigentlich wollte ich mit meiner Frau telefonieren ….
Summa sumarum: Heißester Tag, an dem ich je Rad gefahren bin, beeindruckende Landschaft – auch der Moralische geht im Hitzedelirium wieder weg. 88 km, 1101 Hm. Ich habe fertig*.


- kürzlich habe ich einer Helferin beim Kieferchirurgen auf Ihre Äußerung „Wir haben fertig“ erklärt, das es sich dabei nicht um korrektes Deutsch handelt, sondern eine Anspielung auf das berühmte Interview von Giovanni Trapattoni nach dem vergriffen Bayernspiel in den Tagesthemen von 1997. Die jüngeren Semester mögen sich auf YouTube schlau machen, was der Autor mit der falschen Verwendung der Grammatik gemeint haben könnte …

I enjoy reading your blog every day. It’s become part of my routine during breaks.
I don’t know exactly why, but your writing reminds me a bit of How the Steel Was Tempered, especially the feeling I had when I read it as a kid. Simple, honest, and just following everyday life step by step.
It’s a nice way to learn about different places and see how you experience the journey.
Looking forward to the next post.
Bei dieser Hitze durch die Schweiz 🇨🇭,
hat leider nur bedingten Reiz,
landschaftlich schön und abwechslungsreich,
die Höhenmeter machen die Knie weich,
der Joker naht zur späten Stunde,
c‘est Remy – welch‘ frohe Kunde!
Sicherlich eine wundervolle Landschaft und sehr viel zu bestaunen, aber bei der Hitze ist das sicherlich sehr anstrengend … aber immerhin hast du noch ein gutes Stück geschafft, mögest du bald der Hitze entkommen!