Mi.. Juli 29th, 2026

Am Morgen verlasse ich schiebend um halb neun das Gite.

In knapp 2 km entfernt befindet sich eine Ansammlung von mehreren Einkaufsmärkten, dort werde ich wohl fündig werden bezüglich neuer Schläuche.  Auf dem Weg dort hin fahren drei 3 Rennradrentner an mir vor bei uns grüßen mit „Ça va“, machen aber auf mein „No“ keine Anstalten, zu halten und mir zu helfen bzw einen ihrer Reserveschläuche abzugeben. Die ersten Geschäfte öffnen um 9. Zuerst im Aldi Joghurt, Pain au Chocolat und Sonnencreme gekauft, dann durch Baumarkt und weitere Geschäfte gezogen – Fehlanzeige. Im SuperU sehe ich eine kleine Radabteilung, kaufe dort zwei Schläuche und Flickzeug – jedoch merke ich beim Einbau, dass das Ventil zu kurz ist für meine Hohlkammerfelgen. Schließlich öffnet dann um 10 der Sport2000, der hauptsächlich Kleidung verkauft, aber auch 3 Schläuche für mich hat. Super!!Gleich dort repariert und zurück zur Gite.

Ich komme um 11 los – die Kühle des Morgens ist schon vorbei. Die ersten Kilometer führen weiter an der Garonne,

dann in hügliche Gegenden am Fuße der Pyrenäen. Den ganzen Tag über werden die Bergketten der Pyrenäen mich begleiten – eine wunderschöne Landschaft.

Auf halber Strecke hat Denis mir geraten eine Pause zu machen, dort wären zwei Restaurants, jedoch sind beide am Mittwoch geschlossen. Gleich darauf kommt das ehemalige Zisterzienserkloster Escaladieu ( dt. Himmelsleiter), dessen Besichtigung ich kostenlos als Pilger mit erlaubt ist und ich nutze, um mich dabei auszuruhen und die Flaschen vor der anstehenden Steigung zu füllen.

Zum  „Gipfel“ hinauf nach etwa 300 Höhenmeter überholen mich Polizeifahrzeuge und andere Streckendienste, da morgen dieser Teil von der Tour de France belegt sein wird. Ich sehe überall Schilder, dass die Strecke bis Lourd morgen komplett gesperrt sein wird.

 In dem Ort Orignac nach weiteren Steigungen abseits der Hauptverbindung lädt eine Kirche ein zur Besichtigung. Zwei ältere Herren, die im Schatten davor sitzen,

geben mir eine Führung in der für Barockkirche – für die Gegend ungewöhnlich – und sind so über mein Interesse erfreut, dass sie mich nicht weiter lassen wollen, obwohl Denis mir entgegengefahren ist  und mich ungefähr 25 km vor seinem Haus erwartet.

Wieder trete ich in die Pedale und freue mich dann, Denis zutreffen,

der mich dann Richtung Arras-en-Lavedan geleitet. Zum Glück führt das letzte Stück ab Lourdes auf einem geteerten ehemaligen Bahnweg, meine Kräfte neigen sich dem Ende.

 In der  Kneipe und Kleinbrauerei im Ort können wir anstoßen. Es gesellt sich noch sein Schwiegersohn Jeremy dazu, der mir noch ein Zweites mitbringt. Nicht schöneres als das nach einer anstrengenden Runde. 

Vorsichtshalber hat Denis sein Auto mit Radständer dort positioniert, den Aufstieg zum Haus, die letzten 400 Höhenmeter wolle er sich und mir heute nicht mehr antun.

Dort treffe ich dann auch seine Frau und seine Tochter mit dem 3 Monate alten Enkelsohn, auf den er sichtlich stolz ist. 

Denis und seine Frau sind vor 2 Jahren von Toulouse hierher gezogen, da sie mehr Naturmenschen als Stadtmenschen sind. Auf die Frage, ob ihnen etwas fehle, antwortet Denis als wir auf der Terrasse sitzen, ich solle einfach den Blick genießen und raumschauen, dann würde ich verstehen, dass hier nicht fehlen kann. 

Zum Abendessen haben sie natürlich lecker aufgefahren: zur Vorspeise Brot mit Rilette und andere Leckereien, dann Entenbrust mit Kartoffeln mit Käse und Sahne wie im Zentralmassiv, und dann Käse zum Nachtisch.

Nach so viel Bier und Wein und der wunderbaren Aussicht und den Gesprächen fallen mir dann die Augen zu.

Fazit des Tages: 79 km, 1001 Höhenmeter. Bier, Dusche,leckeres Abendessen mit netten Menschen bei wunderschöner Aussicht – das Leben als Radpilger könnte nicht schöner sein.

Von admin

3 Kommentare zu „Tag 18: Chez Denis“
  1. Lieber Thomas,

    schön, dass ich Deinen Blog über Deine Pilger-Radreise entdeckt habe! Ich habe bei meinen täglichen Trainingsfahrten schon öfters an Dich gedacht und gerätselt, wie es Dir in der Sommerhitze wohl ergangen ist. Es ist schön zu sehen, dass Dein Plan ja ganz gut aufgegangen ist und Du pünktlich zum heutigen Besuch der Tour de France angekommen bist. Ich wünsche Dir eine gute Weiterreise und hoffe auf weitere schöne Berichte!

    Beste Grüße, Uli

  2. Ich hoffe Thomas hat an Bevorratung gedacht,
    und die 3 Schläuche im Sport 2000 an sich gebracht 😄
    Die Tour Horreur de Denis ist vorbei,
    war streckenweise eine echte Plagerei,
    dafür gibt‘s in der maison Erholung pur,
    mit einem traumhaften Blick in die Natur!
    Jetzt aber schnell weiter, lieber Thomas,
    nicht dass Du es Dir gemütlich machst!
    Die Pyrenäen liegen vor Dir,
    da gibt’s kein Rasten, schnell raus aus der Tür!

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