Das Wichtigste für den Radfahrer ist, genügend zu trinken und zu essen neben den Ruhepausen. Das Getränk in den Radflaschen war normalerweise Wasser, meistens angereichert mit Isostar ( enthält Mineralien und Kohlenhydrate), bei Fanta-Kaufanfällen auch hinterher die Restmengen. Das Fanta mit all seinen lokalen Varianten wie Kas(Spanien) und Orangina(Frankreich) half bei einer Downphase der Kräfte erheblich durch Zuckergehalt als Revitalisierungsmittel.

Bei den Pausen und den Abendessen griff ich auf die regionalen Angebote zurück: Bier in Deutschland und der Schweiz, Rotwein in Frankreich und Spanien, gelegentlich auch Weißwein oder Rosé, je nach Gericht. Spanien ist auf diesem Gebiet sehr divers: Asturien hat den Sidra( Apfelwein) mit sehr geringer Restsüße,

auch das Bier besitzt einen hohen Stellenwert, was mich durch die Begeisterung für 1906 bis zu einer Brauereiführung in A Coruña trieb.

Alfons brachte mir in Südfrankreich den Pastis ( Anisschnaps mit Eiswürfel, zusätzlich mit Wasser aufgegossen) als gute Alternative zwischendurch nahe.
Als Außnahme ist noch der selbstgebrannte Birnenschnaps von Martin zu erwähnen bei der Ankunft im Santiago.
In Spanien ( übrigens in Italien auch) ist es üblich, beim Aperitiv bis zu allen alkoholischen Getränken im Allgemeinen, Tapas zu reichen, was bei der mittaglichen Bestellung von 2 Cañas ( wörtlich Stangen – 0,25 von Bier) vollkommen ausreichte zur Ernährung. Das Netz an Bars ist in Spanien sehr gut. Sie starten gegen 8 und schließen gegen zehn am Abend und bieten am Morgen Kaffee, Croisant, auch Toast an und dann später auch Bier und Wein und andere Alkoholika.
Um es klar zu sagen: das Land Spanien hat ein Alkoholproblem. Als Fast-Niedriglohnland sind auch die Getränke relativ billig.

Ein Glas Bier oder Wein kostet in der Regel zwischen zwei und drei Euro mit Ausreißern nach oben in touristischen Hotspots. In den Bars kann man sich Racciones ( Portionen) dazubestellen wie Rühreier, Muscheln, Patatas Bravas und auch verschiedene Tapas – Brötchen mit irgendwelchen leckeren Sachen drauf als Grundversorgung.

Mit richtigen Restaurants wird es dort in der Regel schwierig: schwer zu finden und dann ohne Reservierung einen Platz zu bekommen ist Glücksache, und für uns Deutsche mit dem Problem der dem Biorhythmus unpassenden ausschließlichen Essenszeiten: Mittags von 14 – 16 Uhr, Abends frühestens ab 20 Uhr, manchmal auch erst gegen 21 Uhr. Da viele spanische Übernachtungen kein Frühstück anbieten, kann dann das Radeln in Bezug auf Nahrungsaufnahme am Vormittag hart werden.
Als Highlights sind mir der Pulpo Galego ( galizischer Tintenfisch) und die Doraden in Erinnerung geblieben.
Frankreich eilt sein Ruf als Gourmet-Land voraus, wobei das Image auch an der ein oder anderen Seite bröselt. Sonntags und montags Abend besteht das Problem, dass fast kein Restaurant aufgrund von Personalmangel mehr öffnen will. Auch befindet sich die Haute Cuisine auf dem Rückzug . Es besteht vor allem bei jüngeren Franzosen der Hang zu Schnellrestaurants und Burgern – ich konnte dem wenig abgewinnen.
Die mittägliche Formule du Midi ist vergleichbar dem Menu del dia in Spanien, eine preiswerte Alternative zur Einzelauswahl von Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise meist inklusive einem Café oder Getränk.
Als Highlights hatte ich zweimal Foi gras (Stopfleber) im Süden in Albi und Pau und werde mich voraussichtlich noch daran im Perigord laben.

Was mir auch sehr gefiel, war die Verwendung der Ente als Confit ( Schenkel), Magret (Brust) ider Rilette ( Aufstrich).
Schmackhaft waren die Rinderstücke vom Grill, gennannt Metzgerschnitt. Froschschenkel habe ich nicht geordert, obwohl an der Tarn sie als Standardgericht auf der Speisekarte standen, den Geschmack wie Hähnchen kenne ich von einer Kochsession mit Kollegen.
Die Nachspeisen sind auch entsprechend zu würdigen und haben wie Crème Brule und Flan Gemeinsamkeiten mit ihren spanischen Pendants. Der Lütticher Café ist das Pendant zum italienischen Affogato, eine oder mehrere Eiskugeln versenkt in Café, bei den Franzosen zusätzlich garniert mit Schlagsahne.
Muscheln und Fisch gibt es am Meer zuhauf, auch Austern in Arcachon also exotische Erfahrung für mich als Zentraleuropäer.

Eintöpfe mit Bohnen mit verschiedenen Namen in Galizien, Asturien, Baskenland und Südfrankreich hatte ich in Tagesblogs schon gewürdigt- dort aber meist als Winteressen.

Das Baskenland hat zusätzlich den Kartoffeleintopf, der auch für den Radfahrer nahrhaft ist. Die bekannte Kohlenhydratzufuhr mit allen Arten von Pasta fiel komplett weg, Pizzas gab es nur in homöopathischen Dosen.
Das Picknick als französische Erfindung praktizierte ich einige Male mit Grillhähnchen, Tomaten und Brot.

Ein Arzt hatte Mal die Schlussfolgerung getroffen aus meinem Blutbild, dass ich mich sehr divers ernähre, diesem Motto glaube ich Treu geblieben zu sein.
Was der Einfluß auf anfängliche Fittnessdefizite war, konnte ich doch durch positive Veränderungen feststellen aufgrund der Ernährung, die Gewichtsbilanz kann ich aufgrund fehlender Messgeräte noch nicht beurteilen und hoffe, dass der anschließende Urlaub das positiv gefühlte Bild nicht verzerrt.
