Di.. Juli 28th, 2026

Tag 33: Mönchsfrühstück und das Ende der Welt

Am Morgen hatte uch mit He um 7 zum Frühstücken ausgemacht.

Er hat seine Jugend in Thailand verbracht, als achtes von neun Kindern haben seine Eltern ihn mit 15 ins Kloster geschickt. Anfangs hat ihm das gar nicht gepasst. Heute ist er 58 Jahre und Mönch im buddhistischen Tempel in Arozona.

Seine Aufgaben als Mönch sind vergleichbar mit einem kath. Priester: Zeremonien (Hochzeiten, Beerdigungen, Dienste im Tempel) , Gespräche mit Menschen vor allem mit Kranken und im Hospiz, Meditationskurse. Bei den christlichen Mönchen steht er am nächsten den Benediktinern und nicht den Franziskanern, wie ich ursprünglich dachte. „ORA ET LABORA“ könnte auch sein Motto sein.

Rom hat er auch schon besucht, er kennt einen irischen Franziskaner beim Bezucherzentrum und war auf dem Petersplatz als letzter Papst gewählt wurde vor gut einem Jahr. Wir vergleichen das Klosterleben in Europa und Asien. Warum so viele Klöster und Kirchen in Europa leer sind? Es ist die Kultur des Individualismus.

Die Situation in den USA? Für ihn ist die Kultur dort in einer Phase der Pupertät. Das erklärt für ihn auch die gegenwärtige politische Situation mit Trump. Auch haben die Demokraten die wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst. Allerdingst ist ihm die politische Situation “ zuwieder“.

Für ihn ist es seltsam in eine Bar zu gehen im Mittelmeerraum; in den USA ist dies ein Ort, um Alkohol zu trinken und sich zu amüsieren. Hier trinkt mann einen Kaffee und unterhält sich – an dieses unterschiedliche Konzept muss er sich erst mal gewöhnen. Vegetarismus ist für ihn kein Thema- er isst, was ihm die Leute geben.

Die Zeit vergeht wie im Flug, fast sind schon zwei Stunden um. Wir verabschieden uns. Er fährt heute auch mit einer Tour nach Finisterra, laufen will er nicht mehr mit Blasen an den Füßen. Sein Flug geht am 28. zurück von Paris. Nizza würde er gern noch einbauen auf die Route, wenn mit dem Zug machbar.

Ich belade mein Rad und mache mich auf den Eurovelo 3. Der Pilgerweg geht offiziell weiter bis Finistere, was übersetzt Ende der Welt bedeutet.vor Der Entdeckung Amerikas glaubte man, dass hier die Welt zu Ende ist.

Die ersten acht Kilometer laufen ganz gut, dann hört die Beschilderung auf uns ich befinde mich im Nirwana.

Also zurück zu den größeren Straßen. Aber es ist Galizien: entweder bergauf mit 6-8 km/h oder bergab mit 25+, gefühlt 3 Mal soviel bergauf wie bergab. Beim Ort Crucero ( dt. Kreuzung) habe ich meine 3000 km von zu Hause aus voll.

Bis zur Pause nach 55 km habe ich schon mehr als 800 Höhenmeter – ich wollte ja nur von Santiago ans Meer, das ich bisher noch nicht gesehen habe. Ich zahle dos cañas (wortl. Stangen Bier); habe dazu noch Broterl mit Schinken und Chorizo gereicht bekommen: ein Fünfer! Fair.

Ich trete weiter, es geht gleich wieder bergauf. Bei Kilometer 58 hab ich schon die tausend Höhenmeter voll – ich wollte eigentlich nur von Santiago ans Meet rollern – aber versprochen: ab morgen schreibe ich nichts mehr über Höhenmeter. 17 km vor Finisterra sehe ich zum ersten Mal das Meer.

Gegen halb sechs komme ich schließlich an in Finistere.

Nach dem Duschen mache ich mich auf zum Leuchtturm, wo das Ende des Jakonswegs ist.

Birgit fragt mich, ob ich die vielen zurückgelassen Schuhe sehe. Davon sehe ich nur dìes: die aufgespielt Schuhe am ehemaligen Strommast. Ansonsten an Tafeln oder anderen Wegmarken lassen die Leute einen kleinen Stein, eine Muschel, manchmal auch ein Bildchen einer verlorenen Person.

So kann ich den Jakobsweg nun abschließen und mich źum Abendessen begeben.

Ich bestelle gefüllte Jakobsmuscheln und gesalzene Pimientos, dazu eine Flasche Rotwein.

Fazit für heute: 94 km 1287 Höhenmeter.

Angekommen am Ende der Welt, dem Umkehrpunkt der Reise zur Rückkehr.

Von admin

2 Kommentare zu „Tag 33: Mönchsfrühstück und das Ende der Welt“
  1. Sehr schön Thomas. Am Ende der Welt angekommen und dann musst du umkehren, sonst fällst du von der „Erdscheibe“ ins Unendliche. Viel Spaß und weiterhin schöne Abenteuer auf deiner Reise zu dir selbst

  2. So sieht’s also aus, das Ende der Welt,
    aber das Meer dahinter – ist das die Unterwelt?
    Und der Leuchtturm zeigt den Weg dorthin?
    Und das mit den Schuhen, was ist das für ein Spleen?
    Schon beeindruckend, die Gegend um Finistere,
    der Abschied fällt da schwer,
    zum Abschluss gibt’s Jakobsmuscheln und Rotwein,
    mit einem Blick in den abendlichen Sonnenschein!

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