Mi.. Juli 29th, 2026

Tag 28: Orange nach Astorga und Ponferrada

Heute beginnt die Abfahrt vom Hotel mit einem interessanten Treffen. Gleich um die Ecke sehe ich einen orangenen Mönch, der zu meinem orangen Molteni-Trickot passt. Wir winken uns zu und wünschen uns Buen Camino. Ich halte an und frage ihn, wo er her ist. Er nennt sich He ( AjahnSarayut Arnanta) , kommt ursprünglich aus Thailand, ist buddhistischer Mönch und lebt und arbeitet in den USA als Lehrer für Buddhismus und Meditation. Er ist in Pamplona ins Stiertreiben an einem Morgen der San-Fermin-Feierlichkeiten geraten. Er wusste nicht, wie u. Ihn geschehen war, und er wunderte wieviel Alkohol das dazu konsumiert wurde. Ohne am Konsum teilzunehmen war es trotzdem für ihn eine ptägende Erfahrung. Daraufhin hat er den Zug genommenen bis León und will nun von hier aus den Camino bis Saontiago gehen. Ich frage ihn, ob das geht für Buddhisten? NA KLAR !

Da wir vor dem Gaudi-Haus stehen, erkläre ich ihm noch kurz, wer der Herr Gaudi war, wir machen verschiedene Fotos zusammen und verabschieden uns.

Ich sehe das Treten auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße auch wie eine buddhistische Meditationsübung. Ob He diese Erfahrung auch mal machen sollte? Oder kann ich in meinem orangen Molteni-Trickot auch Fahrradmeditationslehrer werden? Na ja, wenn es Kunden gibt …

Also liebe Leser meldet Euch, ansonsten muss ich den Gedanken wieder verwerfen.

Nur einmal im nächsten anschließenden Ort ist eine offizielle Fahrtadroute nicht an der Straße ausgeschildert. Ich nehme sie gerne, doch nach etwa 3 km ist der Spuk vorbei und die N120 hat mich wieder – zum Arbeiten an meinem Radkarma. Gleich spiele ich in Gedanken das Kinderspiel „ich sehe was, was du nicht siehst und das ist orange“. Es gibt gar nicht so viel davon auf der Strecke: Blinker von Autos die Reflektoren der Straßenpfosten, aber das ist es auch schon. Die Natur ist sparsam mit der Farbe.

Eine Storchenkollonie lenkt mich dann schließlich ab und bringt mich wieder auf andere Gedanken.

Als ich abwäge, ob das Gelb des Camino-Schildes man als Orange mit akzeptieren könnte, kommt mir ein holländisches Fahrzeug entgegen, dessen Kennzeichen die selben Farben aufweist. Nein, kein Orange, aber jetzt kapiere ich, dass die Eiropaflagge und das Camino-Schild sowie die holländischen Autokennzeichen vom selben Farbdesign sind. Hätte man gleich drauf kommen können: Itinerario culturale Europeo, also ich denke mal die Europaflagge war zuerst da und hat den Anstoß gegeben. Aber die Holländer sind doch auch Oranje beim Fussball.

Spanien hat den Jakobsweg fest ins Narrativ seiner Landeserzählung eingebaut. Was haben wir in Deutschland? Es muss ja nicht immer gleich etwas Religiöses sein in der heute säkularisierten Welt. Fußball? WM-Aus. Automobilindustrie als Sinnbild für die Wirtschaft? Liegt am Boden. Demokratie? Bei den AFD-Prozenten? Musik mit Bach, Beethoven Mozart, etc- müssen wir uns größtenteils mit den Österreichern teilen. Wird schwierig für Friedrich Merz, eine einende Geschichte zu erzählen oder anders gesprochen: ein gesamtdeutsches positives Narrativ zu haben. Davon hängt viel von der Wahrnehmung und Stimmung im Land ab …

Mal schauen, was sich mit dem WM-Endspiel morgen in Spanien tut – ich sah sogar eine Oma einem einjährigen Enkelbim Kinderwagen Fussballieder vorsingen.

So komme ich um halb eins in Astorga an, einer Stadt mit Weltkulturerbestatus der UNESCO. In der Touristeninformation frage ich, was ich in einer Stunde anschauen sollte.

Auf jeden Fall das Gaudi-Haus (Inflation?). Ich versuche es, mein Rad zur Gepäckaufbewahrung am Eingang zu bringen, doch werde ich scharf durch ein Aufseherin angewiesen, das ginge auf gar keinen Fall. Also das Gaudi-Haus versteht keinen Spass und zwingt nich also, die Kathedrale zu besichtigen – wie bizzarr. Die Kathedrale ist im spät-gothischen Stil, ohne Museum ist nicht reinzukommen, mit Pilgerrabatt 8 € , dafür aber Audioguide inklusive.

Der Dom ist in der spätgotischen Zeit fertiggestellt worden, somit den deutschen gothischen Domen am ähnlichsten, wobei auch viele Stilrichtungen ineinander integriert sind.

Die längere Pause verschiebe ich auf später. Wie sich herrausstellt, ist das Später nach über 20 km nach der Passhähe bei 1225 km.

Bei der Abfahrt gibt es nur 2 Tankstellen mit Einkaufsmöglichkeit: Thunfischsandwitch und Cola.

Da noch etwas Zeit ist, denke ich mir, könnte ich noch das Zisterzienserinnenkloster 10 km for meinem heutigen Zielort Ponferrada anzuschauen – alles zu.

Ich frage GoogleMaps, wie ich mal schnell wieder zur Hauptstraße komme, aber es wird schlimmer als im Zentralmassiv – schaut es euch mal an!

Aber „Niat nougem nait alles“ – mit der Devise komme ich wieder weiter.

Zum Abendessen überrascht mich die Stadt komplett: auf einem Hügel liegt eine Burg, daneben eine Basilika. Das hatte ich beim Zufahren auf das Hotel gar nicht soneinsehen können.

Ich setzte mich auf den zentralen Platz in eine Tapasbar bei der Basilika. Ein Gitarrenspieler klimpert so vor sich hin. In der Stadt ist für einen Nachtlauf abgesperrt.

Ich wähle die Gambas in Knoblauch und Öl, das war unser Renner beim Ausflug von mir und meinem Sohn Philipp im Jahr 2008 nach Madrid, dann ein Filetsrück mit Pfeffersoße, anschließend Eis und Espresso. So bin ich gut gestärkt für die morgentliche Bergetappe.

Fazit für heute: 110 km, 967 Höhenmeter. Die orangen Brüder im Geiste schaffen das! Die letzten 200 km brechen jetzt an, wo ich jeden Tag zwei Pilgerstempel brauche, um die Urkunde zu bekommen.

PS: Wir wollen klarstellen, dass sich die Farbe Orange ausschließlich auf die Kleidung bezieht. Mit oranger Haarfarbe und Personen, die diese tragen, wollen wir nichts gemeinsam haben und Grenzen uns scharf davon ab.

Von admin

Ein Kommentar zu „Tag 28: Orange nach Astorga und Ponferrada“
  1. Diese Etappe ist mystisch,
    physisch und psychisch,
    viel Gaudi an der Strass‘,
    macht einen Heidenspaß.
    Im Delirium sieht Thomas nur noch orange,
    ich glaub er ist die ganze Strecke in einer Seance,
    hat wohl zum Frühstück Mushrooms gegessen,
    und dann im Laufe des Tages das Navigieren vergessen,
    im Wahn mit dem Fahrrad ab ins Gelände,
    wenn ihn da jetzt jemand fände,
    ginge es schnell ins nächste Gaudihaus, 🤣
    dann wärs mit der Gaudi aus!

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