Mi.. Juli 29th, 2026

Das Frühstück im Hotel war üppig: Eier, Schinken, Melone, Joghurt,Tomaten Käse – kein Vergleich zum Tag davor, so stopfte ich in mich hinein. Pappsattgegessen startete ich mit einem langsamen Rollern durch die morgendliche Stadt Logroño;

Bedeutend ist Logroño als Weinbauzentrum für das Rioja und dessen Hauptstadt.

Da noch nicht so viel offen hat und die Stadt erst langsam aus dem Schlaf erwacht, mache ich mich auf in den Süden, die Komoot-Route leitet mich durch die Weinberge.

Auf einer Straße für Motorräder erklimmen ich 500 Höhenmeter, die Aussicht sehr schön.

Ich sehe bei der Weiterfahrt vor der Mittagspause unter der Brücke im Schatten einen Radler stehen, es ist Kamel aus Polen, während ich ihn frage, ob er Hilfe brauche, kommt Martin aus Prag von hinten an.

Wir beschließen gemeinsam weiterzutreten, Kamel läst sich zurückfallen und wir beide treten dann bis Najera. Martin freut sich schon seit langem auf ein gutes Bier, so müssen wir gemeinsam eines zusammen trinken.

Als Tribut an die Gegend, wird mein zweites Getränk ein Rioja. Leider haben am Nachmittag wieder alle Besichtigungsmöglichkeiten in Najera geschlossenen. Wir treten weiter auf der leeren Bundesstraße.

Marin erzählt seine Motivationsgründe für das Pilgern. Zum Ersten will er abnehmen, deshalb hat er die anstrengende Variante mit dem Rad gewählt. Darüber hinaus wird ihm bewusst, dass er älter wird: die Jüngeren gehen über ihn hinweg in der Arbeit, die Kinder sind mit 24 und 22 selbständig, er will neu definieren, wo seine Ziele in Zukunft liegen. Und der dritte Grund ist seine Religiosität. Er glaubt an Gott und fühlt sich von ihm geleitet. Seiner Frau hingegen ist die lange Pilgerreise nicht so Recht, die Kinder aber unterstützen ihn.

All das besprechen wir in einem Mischmasch aus Tschechisch, Deutsch und Englisch und merken, dass wir uns am Besten zum Verständnis des Anderen in Englisch ausdrücken können. Für mein Einvipen in Spanisch ist das ganze kontraproduktiv.

Schließlich kommen wir zusammen in Santo Domingo de la Calzada an. Martin will zum Camping vor dem Ort, ich habe mir das Parador im ehemaligen Franziskuskonvent gebucht. Ich dachte, einmal im Leben möchte ich in einem Parador – das sind gehobene Hotels in historischen Gebäuden – übernachten: heute ist der Tag – für nen Hunni mit Frühstück, da kann man nicht meckern.

Nach der Dusche starte ich im ehemaligen Franziskuskonvent die Besichtigungstour, die freundliche Dame erklärt mir das Besichtigungen hier nur gegen einen Obolus erlaubt sind, für mich als Pilger mit Erhalt des Stempels nur die Hälfte mit fünf Euro.

Das ehemalige Kloster wird auf dreierlei Weise genutzt: Altenheim, Parador und Werkstätten für die Kirche. Dazu die Kirche mit einer zusätzlichen Ausstellungsfläche (über Eucharistie und krippenähnliche Darstellungen).

All dies hatten wir für die alte Kirche St. Michael in Burgweinting diskutiert. Warum geht in Spanien sowas, wogegen der Regensburger Bischof Alternativnutzungen blockiert? Vielleicht hätte ich ihn zum Radln mitnehmen müssen – hätte er vielleicht Mal was anderes gesehen zur Horizonterweiterung als immer nur nach Altötting zu wallfahren ….

Die Besichtigung geht weiter in der Kathedrale des Ortes – ja mit dem Huhn und dem Gockel als Untermieter dort. Wie kommt es dazu? Deutsche Pilger sus Xanten waren auf dem Jakobsweg. Ihrem Sohn wurde wegen nicht erwiderter Zuneigung seinerseits zu der Tochter des Zimmervermieters ein Silberbesteck zugesteckt, dessen Raub er beschuldigt und gehängt wurde. Die Eltern kehren nach dem Jakobsweg zurück und wollen das Grab ihres Sohnes besichtigen. Beim Besuch beim Bürgermeister spricht dieser aus, dass der Sohn so Tod sei wie das gebratene Geflügel auf dem Tisch, das unmittelbar zum Fliegen anfängt. Der Sohn hängt aber ist nicht als Toter, sondern lebt noch. Zur Erinnerung daran werden seit dem 16 Jahrhundert ein Hahn und eine Henne in der Kirche gehalten.

Und dann noch inbegriffen: der Aufstieg auf den freistehenden Turm – ein paar sportliche Übungen vor dem Abendessen.

Eigentlich wollte Martin dazukommen, doch am Campingplatz für den dreifach üblichen Preis fühlte er sich abgezockt und ist weitergezogen. Mein Angebot des zweiten Bettes im Parador wollte er nicht annehmen.

Ich gehe in ein lokales Café und bestelle mir Rotwein und eine Dorade- passt zwar eigentlich nicht zusammen – war mir aber heute danach. Zum Nachtisch einen Flan und einen Decaffinato – dann wird der Platz schon für den Riesenandrang zum Spanien – Frankreich -Spiel gebraucht – ein Riesentrubel. Um den Dom sah ich zuvor zwei Restaurants mit Michelin-Auszeichnung, das wäre heute mit dem Parador zusammen zuviel des Guten geworden. Ich ziehe mich in mein Parador zurück.

Fazit des Tages: 59 km, 800 hm. Schönes Touristenprogramm in Santa Domingo. Mit Menschen den Weg gemeinsam gehen oder fahren, macht die Sache interessanter.

Von admin

6 Kommentare zu „Tag 24: Durch die Weinberge des Riojas“
  1. Hallo Thomas
    und in Santiago Comp. steht das Älteste Hotel der Welt neben der Kathedrale der auch ein Parador ist
    Weiterhin gue Begegnungen auf dem Camino.

    1. Danke für den Rat, Remy. Ich schau mal, ob ich dort einen Platz ergattere…

      Hallo Remy, ich sehe 272 € pro Nacht- das überschreitet mein Budget – Schade!

  2. Ein üppiges Frühstück, das erinnert mich an gestern,
    irgendwas mit Gewichtsverlust, aber ich will ja nicht lästern 🤣
    die Strecke durch die Weinberge bei dieser Hitze,
    eine Weinprobe im Schatten wäre jetzt spitze!
    Na dann, ein osteuropäischer Treff im Schatten,
    Polen, Tschechien, Tirschenreuth – sehr erfreut – gestatten 🤠
    Oje, der Marin hat eine Mid-Life-Krise – wohl altersbedingt,
    ob da das Pilgern Erlösung bringt?
    Die Besichtigungstour war sehr profund,
    mit Kloster, Kathedrale, und historischem Hintergrund!
    Die Unterkunft – seeeehr feudal,
    und dann auch noch – dies Abendmahl! 😋

    1. Heute im Modus wie ein Lästermaul,
      Mit Kommentaren nicht gespart und nicht faul,
      So lass ich mir gern erklären,
      Wie wir den Spass noch können vermehren. 😉

    2. Hallo, Herr Roman. Vielleicht haben Sie ja recht und ich stecke tatsächlich in einer Midlife-Crisis. Aber wenn dem so ist, dann wünschte ich, jede Krise wäre wenigstens halb so schön wie, wie Sie sagen, eine Midlife-Crisis. Herzliche Grüße diesmal aus Osteuropa – aus Prag. Martin

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