Mi.. Juli 29th, 2026

Tag 23: Nach Logroño

Auch wenn das spanische Frühstück einfach ist, wird es heute eines auf Deutsch: eine Wanderin aus Heidelberg sitzt mit am Tisch. Wir sind die Einzigen.

Pamplona ist ein Großstadt mit 200 Tausend Einwohnern, modernen und  langen Vorstädten. Angeblich ist das Lebensniveau ein sehr hohes. Mir scheint die Regierung eine Art Beispielstadt im Baskenland herzeigen zu wollen.

Mit dem Spanischen hatte ich so meine Umstellungsschwierigkeiten aus dem Französischen und parallel dazu lerne ich seit einiger Zeit wieder Tschechisch auf Duolingo, wo ich natürlich auch meinen 300-tägigen Strike nicht zunichte machen will. 

Mit der Prüfung der Reifen gestern sah ich, dass die vielen Gravelstrecken ihnen schon sehr zugesetzt haben. Schweren Herzens ordere ich schließlich das Weltpaket von Komoot – Andi hat mir schon am ersten Tag dazu geraten – ich brauchte dazu über 2000 km um die einfache Rechnung zu verstehen: ein neues Hinterrad, auch nur der Mantel sind teuerer – geschweige das angenehmere Fahren auf Asphalt. Google und mein Sigma sind da ein Desaster. Aber dazu mehr spãter.

Heute morgen traf ich einen 51jährigen Basken, der wie er mir erzählt hat, das Radfahren zur Gewichtsreduktion benutzt. Er habe heuer schon sechseinhalb Kilo verloren dadurch dass er vier bis fünfmal die Woche um die 50 km fährt mit 800 Höhenmetern und am Wochenende mit Freunden nochmals eine 100 km Ausfahrt und aufs Essen aufpasst. Ich wäre neugierig , wie es sich dieses Mal bei mir verhält. Ich hab mich ja vor einer Woche auf die analoge Waage bei Alexandre gestellt nach dem Haare schneiden, ich glaube 2 kg ausgemacht zu haben. Bin neugierig, wie es sich dieses Mal verhält: meine Faustformel auf der Italienrundfahrt war 1 km entspricht 1 Gramm, mit dem aufs Essen aufpassen hab ich es nicht so 😜.

Nach 3 Kilometer verabschiedet er sich in eine andere Richtung – die Spanische Konversation funktioniert wieder.

Es kommt ein Anstieg mit der Ausschilderung zum Berg Perdon.

Zum Glück ist der Spuk nach 250 Höhenmetern vorbei. Ich erreiche nach einer sehr langen Abfahrt Puente la Reina und dort bietet sich bei Trinkwasserversorgung und Schatten eine Mittagspause mit dem von gestern übrigen Essen.

Ein älterer Herr fängt mich schon in der Hauptkirche an zur Verteilung des Pilgerstempels. 

Zügig komme ich auf der N1110 den ganzen Tag weiter Richtung Logroño. Neben der Autobahn ist die alte gut ausgebaute Bundesstraße fast autoleer.

Ich trete weiter bis Estrella. Dort bin ich so ausgetrocknet, dass ich 2 Liter Fanta im Ort ausleere.

Am Ortsausgang sehe ich einen Decathlon, ideal für Trinkpulver und einen Mantel für den Hinterreifen. Nun fühle ich mich mit Reifen und zwei Schläuchen an Bord wie mit einer Unsterblichkeits-Versicherung unterwegs in Punkto Platten. Ich trete den Berg weiter bis ich linker Hand das Kloster von Irache thronen sehe. Da könnte man doch einen Abstecher mit einer kurzen Pause machen.

Leider ist das Kloster zu wegen Montag. Ich sehe im Schatten zwei Radler sitzen und diskutieren:  Martin & Martin.

Der eine ist britischer Abstammung, seit er 12 ist wohnt er in Spanien, der andere stammt aus Prag, ist 56 und hat Grad seinen Job als SAP-Berater verloren. Sie unterhalten sucht über die verschiedenen Fahrradtypen für den Camino. Als einer Wein trinkt, fage ich ihn, wo er den her habe. Na vom Brunnen, da hundert Meter unterhalb. Ich suche daraufhin mit meiner Radlflasche den Brunnen mit Wein für Pilger, für mich jedoch tropft nur ein Neugerl mehr heraus.

Traurig zurück teilt der tschechische Martin sein Viertel, das er vorsorglich gebunkert hatte, mit mir.

Die darauffolgende Diskussion drehte sich darum, warum wir pilgern. Als Zusammenfassung kann ich es so wiedergeben: jeder hat seine individuelle Art, zu Fuß oder mit dem Rad, mit unterschiedlichen Randtypen und Geschwindigkeiten. Es kommt darauf an, dass man dabei zu sich selber findet. 

Der Nachmittag ab vier rollert gut, dass ich in weniger als zweieinhalb Stunden die letzten 50 Kilometer bis Logroño zurücklegen kann. Liegt’s an dem Wein? Training? An bereits eingetretenem Gewichtsverlust? Den guten Gesprächen? Auf jeden Fall flutscht es. 

Aber vor Logroño kommt noch der Hammer, den bisher noch keine Navi gebracht hat, aber Komoot macht’s möglich. Es hat zur Einfahrt in die Stadt einen Gravelpfad mit Benutzung des Fußgängerwegs der Autobahnbrücke. So eine illegale Route hatte ich noch nie! Bezahlt man dafür 30 €, dass man Asfalt und Rennradtouren bekommt? Ich bin gespannt auf die Reaktion von Komoot ….

In Logroño finde ich schnell das Hotel Ciudad de Logroño, Duschen, Trikot waschen und ab in die Stadt die Kathedrale anzusehen – beeindruckend.

Nicht weit davon entfernt ist die Straße Calle de Laurel  mit all den Tapas-Bars. Heute probiere ich sie aus zum Abendessen (Schweinebacke, Baccalau, Schinken mit Käse) und verschiedenen Rotweinen.

Fazit des Tages : 109 km, 1190 Höhenmeter. Jeder hat einen individuellen Pilgerstil – bei mir ist am wichtigsten dass es weitergeht.

Von admin

2 Kommentare zu „Tag 23: Nach Logroño“
  1. Der Gewichtsverlust hält sich in Grenzen,
    würde Thomas die Deserts schwänzen,
    und mehr gesunden Salat essen,
    aber ich sag ja nichts, das wär ja vermessen…🤣
    Der Weinbrunnen ist toll, hat aber einen Makel,
    leider fast leer, was für ein Debakel!
    Aber Thomas will nicht aufgeben,
    mit tschechischem SAP-Support lässt sich das Problem beheben.
    So gestärkt geht’s schnell voran,
    das rollert sich super, Mann oh Mann!
    Aber, oh Schreck, was ist denn das?
    Ein Abflug ins Gebüsch, die Route ist echt krass!
    Naja, eins fehlte ja noch bei der Pilgerei,
    Radtragenpilgern, der letzte Schrei!
    Am Ende des Tages hat’s Thomas geschafft,
    wie immer: Mit leckerem Essen und Weintraubensaft 😂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert