Nachdem meine Frau uns beim Frühstück die geschichtlichen und religiösen Besonderheiten von Rocamadour vorgetragen hat, hat es mich angetrieben, auch über die letzte Station des Familienurlaubs einen Blog zu verfassen. Wir haben uns im Herzen von Sarlat ein Ferienhaus mit dem Namen Jardin de la Paix gemietet, von wo aus wir verschiedenen Pilgerintenionen nachgehen können.

Sarlat ist eine mittelalterliche Stadt mit heute gut 8000 Einwohnern, die um der Zeit nach 1600 die nationale Bedeutung verloren hat, ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert wurde und heute mit mehr als einer Million Besuchern pro Jahr das Zentrum des Perigordtourismus darstellt.


Als Erstes wäre die Ente zu nennen. „Alles Ente“ – für Gourmets und Gourmands, Feinschmecker und Vielfraße. In der Region liegt das bedeutende Entenaufzuchtsgebiet inklusive der Stopfleberherstellung, was hier immaterielles Kulturerbe ist. In Deutschland fällt die Fois gras unter Tierquälerei, ist im Perigord jedoch kulinarisch auf fast jedem Gericht zu finden wie auch andere Ententeile: Magret (Brust), Confit ( Schenkel), Gésier ( gebratene Magenstücke im Salat, Cœur ( Herz, meist in Steinpilzsoße -Cèpes – als separates Gericht angeboten).

Essen zu gehen, ohne Ente zu essen, ist fast unmöglich. Mein Sohn als Vegetarier isst somit mehr Tierfleisch, als er die letzten Jahre zu sich genommen hat. Ich komme damit voll auf meine Kosten als Entenliebhaber. Mein Freund Toni, der die selbe Passion teilt, hat schon um ein Care-Paket gebeten.
Gestern haben wir das Schloss Milandes besucht, auf dem Josephine Baker ( 1900- 1975) lebte.

Sie hat als Jazzsängerin aus dem Süden der USA als Farbige in Paris als Varietetänzerin und – sängerin Karriere gemacht, war im französischen Widerstand während der deutschen Besatzung aktiv und hat sich den Traum von einer multinationalen Familie mit zwölf Kindern auf diesem Schloss verwirklicht.

Deshalb ist sie auch ins Pantheon aufgenommen worden, da sie den Wert der Gleichheit – Égalité – vorgelebt hat, was ihr eine Herzensangelegenheit nach den Rassenverfolgungen in den USA bis zur Zeit unter Nixon war. Eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit, die für ihre Ideale der Gleichheit aller Menschen und der friedlichen Koexistenz gekämpft hat! Der folgende ARD- Podcast erzählt ihr Leben: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:32cfaf5ae6d0f362
Aber nun zu Rocamadour: es liegt ungefähr 50 km von Sarlat entfernt, ist in einen Felsen an der Dordogne gebaut, wo einst der Einsiedler Amadour (Amator), der der Legende nach der Zöllner Zachäus gewesen sein soll, der sich nach Jesu Tod in Gallien niedergelassen haben soll.


Den unverwesten Leichnam sollen sie in Rocamadour um 1100 gefunden gaben, woraufhin der Grundstein für eine Wallfahrt gelegt war. Der Eremit soll aus einem Baumstamm eine Muttergottes geschnitzt haben, die de Leichnam Jesu trägt, also der Ursprung der schwarze Madonna, die das religiöse Portfolio komplettiert und zu einer bedeutenden Marienwallfahrt im Mittelalter wurde. Über 216 Stufen vom Ort aus, geht es zur Marienkapelle als Bußwallfahrt hinauf.

Als alles einzuschlafen und zu verfallen drohte im 19. Jahrhundert, kümmerte sich der Bischof von Cahors darum, alles wieder zu renovieren. Die Lage am Jakobsweg an der Via Podensis kommend von Le Puy tat das Ihrige dazu.

Eine weitere Wundergeschichte gibt es um das Schwert Durandal, das Roland gehört haben soll, einem Neffen von Karl dem Großen. In der Schlacht von Roncevalles ( der Ort am Jakobsweg in den Pyrenäen) im Jahre 778 soll er im Sterben liegend den Erzengel Michael gebeten haben, dass sein mächtiges Schwert nicht in die Hände der Feinde fällt. Mit letzter Kraft schleuderte es weg, wobei es mehrere hundert Kilometer flog und in der Wand von Rocamadur stecken blieb. Bis 2024 steckte auch ein angekettetes Schwert in der Wand, was dann aber spurlos verschwand.
Nicht weiter gehe ich jetzt auf die prähistorischen Ausgrabungen von Lascaux, Les Ezies, Cromagnon und anderer Höhlen ein, die die urgeschichtliche Phase des Menschen bezeugen, worauf wir schon in vorherigen Urlauben den Fokus drauf gelegt hatten.
Also eine Region, um viel zu entdecken um den Fluß Dordogne herum, viele Schlösser, Natur, gutes Essen un prähistorische Ausgrabungen in Höhlen. Aufs Radln verzichten ich einstweilen, die Dosis davor hat gereicht – bis auf den Weg zum Bäcker am Morgen …..
PS: Da das Essen eine so große Wichtigkeit besitzt, nutzt man nicht notwendige alte Kirchen als Markthalle ….


Sarlat und das Périgord sind eine absolut empfehlenswerte Region für den Urlaub. Wir waren 2022 dort, im letzten Covid-Sommer. Die Dordogne ist gesäumt von Schlössern und schönen Dörfern; zum Genußradeln gibt es eine aufgelassene Bahnstrecke (voie verte) von Sarlat entlang der Dordogne.
Ich hoffe, der Weg zurück in die Aumovio-Tretmühle wird nicht allzu beschwerlich und freue mich auf ein Wiedersehen im Herbst. Für mich geht es am Freitag los in den Luberon; dort werde ich dann in der kommenden Woche (hoffentlich) mein Mont Ventoux-Abenteuer starten.