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Kulturelle und touristische Aspekte des Jakobsweges

In der Zeit ab 1910 war der erste Weltkrieg für die jungen Menschen so atraktiv, dass letzendlich bei Kriegsbeginn eine Begeisterung unter ihnen war, da es einen einfachen Weg darstellte, rauszukommen aus der Enge der Heimat. Im Mittelalter schon war die Hauptmöglichkeiten, die Heimat zu verlassen, sich dem Handel zu widmen, dem Militär beizutreten oder eine Pilgerreise zu unternehmen.

Der Tourismus, wie wir ihn heute kennen, setzte erst viel später ein. So waren schon immer touristische Aspekte auch ein wichtiger Bestandteil des Pilgerns. Die Kathedralen auf dem Weg stammen aus ihrer Zeit: meist ausgehend von romanischen Kirchen wurden diese ab der ersten Hochphase der Pilgerei nach Santiago im gothischen Stil neu gestaltet. Fast jede große Kathedrale auf dem Camino Frances folgte dem Muster. Auch die zwei wichtigen Kirchen in Bordeaux mit St. Michel und St. André sind gothische Kathedralen.

Später wurden diese dann um barocke Altäre und auch Orgeln erweitert. Auch Rokoko- oder Renaissance-Elemente waren in einigen zu finden, bis dann die halbfertigen Kirchen im neugothischen Stil an der Fasade beendet wurden wie in Oviedo oder Vittoria.

Die Kirche als fast alleiniger Träger und Finanzier der Kunst neben den Herrschenden hat ziemlich viele Kunst- und Kulturschätze in die Nähe der Kathedralen oder auch in sie gebracht.

Auch andere Kuriositäten liegen auf dem Weg: der Brunnen, aus dem Wein fließt für die Pilger, Hahn und Huhn in der Kathedrale von Santo Domingo della Canzada als Erinnerung an das Wunder der Legende von damals.

Ich habe mich sogar noch weiter bis zum Guggenheim-Museum in Bilbao oder dem Terrorismusmuseum in Vittoria-Gasteiz vorgewagt.

Der Jakobsweg beschreibt sich als „Itinerario cultural d’Europa“, was so im eigentlichen Sinne des Wortes „Weg“ gar nicht stimmt: es ist ein Netzwerk aus Pilgerwegen, das aus allen Teilen von Norden, Osten und Süden hauptsächlich auf Santiago zuläuft, ähnlich der Struktur des Internets, dessen analogen Ursprungs man den Camino beschreiben könnte: Menschen anstelle von Daten reisen entlang dieses Netzwerkes an Pilgerinfrastruktur.

Die Fortbewegung zu Fuss oder mit dem Fahrrad erlaubt es auch, einfach in die Innenstädte hinein und auch wieder heraus zu kommen, um direkt die Tourismushotspots zu besuchen. Mir ist dies bewußt geworden, wie wir das Appartement in Bordeaux in der Innenstadt versuchten, mit dem Auto zu beziehen.

Auch läuft das Pilgern und der Tourismus mittlerweile hochgradig digital ab: Zimmerreservierungen, auch Hostelreservierungen, Bezahlung von fast allem mit dem Mobiltelefon mit virtueller Kreditkarte, Routing mit dem Smartphone. Sämtliche Informationsbeschaffung zu touristischen Höhepunkten und auch Anmeldung und Eintrittskarten waren digital zu erhalten.

Auch alle Nebenwirkungen der digitalen Infrastruktur durfte ich erfahren: Abbuchungsversuche von der Kreditkarte durch versenden von Links angeblich von Hotels, die eine Kaution erwarten bis zu Abbuchungen von Netflix mit gestohlenen Kretidtkartendaten, woraufhin ich meine Kreditkarte sperren ließ. Die Vermieter von Wohnungen in Bordeaux und Sarlat wollten meine Weigerung, ihren externen Links zur Kautionsgewährung nicht zu folgen, anfänglich nicht verstehen.

Nur der Pilgerausweis und die finale Pilgerurkunde existieren noch in der realen Welt – ich frage mich, ob dies nicht auch in Kürze in digitaler Form zu erhalten sind. Einige Institutionen in Kathedralen weigerten sich, Stempel zu verteilen aufgrund des Andrangs, wie z. B in Burgos.

Wird es eine RFI-Chip-Stelle geben, wo man mit dem Smartphone den digitalen Stempel einsaugt? QR-Codes laden zum Schummeln ein …

Von admin

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