Eine Autosarkonferenz in Shanghai hat mir einen Trip ins Land der aufgehenden Sonne beschert. Gleich in der Woche nach der Ankunft aus Rom reiste ich am Samstag weiter. Vom Flughafen München ging es über Peking zuerst mal nach Chongqing. Für mich ist dies meine erste Chinareise. Gleich am Flughafen liefen mir und meinem Begleiter Chrisian der Speaker von Autosar Joachim als weiterer Mitfahrer beim Check-In in die Arme. Danach mussten wir uns gleich stärken mit einem Münchner Abschiedsbier. Um unterwegs zahlungsfähig zu sein, besorgte ich mir Alipay, über Alipay eine elektronische Simkarte, um für den Zeitraum digital erreichbar zu sein.
Bei der Installation dieser fand ich jedoch heraus, dass das Ländermodell meines Handys nicht in der Lage war, diese eSIM zu installieren. Somit kam ich in China an, ohne die Möglichkeit, mit den landesüblichen Zahlungsmöglichkeiten ausgestattet zu sein. Mein Kollege Christian schaffte dem Abhilfe durch die Einrichtung eines persönlichen Hotspots, was jedoch zu Lasten seines schwächelnden Akkus ging.

Über Hotspot und QR-Code von Alipay konnte ich mir schließlich den Transfer mit der Metro vom Flughafen zum Hotel ermöglichen. Im Regen dort gegen Mittag angekommen stellten wir fest, dass wir noch bis drei Uhr auf die Zimmer wegen deren Reinigung warten mussten. Die von anderen Firmen bereits angereisten Kollegen hatten jedoch schon in einem Sechuan-Restaurant in der Nähe ein Essen organisiert, was uns von Jetlag und Reisestrapatzen auch durch die Schärfe der Lebensmittel ablenkte.

Nach einer Dusche konnte die erste Stadtbesichtigung beginnen. Im Großraum der Megacity wohnen etwa 30 Millionen Menschen, die sich an der Mündung der Flusses Jialing in den Yangtse angesiedelt haben, der wiederum weiterfließt bis Schanghai, unserer nächsten Station. Im Gebiet dieser Stadt wohnen also zwei Mal so viele Menschen wie in Österreich!
Aufgrund des nicht nachlassen wollenden Regens setzten wir den anfänglichen Spaziergang entlang des Yangtse mit der am Fluss oberirdischen Metro fort. Nachdem der Regen nicht nachlassen wollte, ließen wir den Abend in einem chinesischen Teehaus ausklingen.



Der nächste Tag war einer AUTOSAR-User-Konferenz bei meiner Firma AUMOVIO gewidmet, wozu Interessierte von verschiedenen chinesischen Firmen dazukamen. Auch bot sich die Möglichkeit, verschiedene Kollegen von früheren Zusammenarbeiten zu treffen. Jeder denkt darüber nach, wie künstliche Intelligenz Geschäftsbeziehung und Entwicklungsvorgänge verändert und was dies für Auswirkungen hat.
Der Abend war einem Dinner an einem Aussichtspunkt und dem darauffolgenden Nachhauseweg durch die beleuchtete Stadt gewidmet.


Der nächste Tag war dem Transfer nach Schanghai und dem Abendevent in der Bar Barbarossa am People-Square. Schon die Abfertigung am Flughafen in Chongqing zeigte, dass in China in anderen Dimensionen gedacht wird, um große Menschenmengen zu bewegen: der Zugang zum Boarding erfolgt über Gesichtserkennung, im Halbstundentakt fliegen große Flieger nach Schanghai. Unterwegs sind aus dem Fenster viele Großstädte entlang des Yangtse zu sehen.


Meine Frau hatte mir zum Geburtstag einen Reisebericht eines Radpilgers aus Köln geschenkt, den ich auf dem Flug um viele Seiten weitergelen habe. Beim Abendevent bin ich in eine französische Bubble geraten, was meinem Gerhin die weit hinten abgespeicherten Französischkenntnisse aus vergangenen Zeiten abverlangt hat.

Die nächsten zwei Tage waren der Konferenz gewidmet: Vorträge in Englisch und Chinesisch ( mit Simultanübersetzungen), Austellungsstandbesuche, viele Gespräche mit verschiedensten Menschen bei Pausen und Essensgelegenheiten. Da Schanghai am Meer liegt, sind die Meeresfrüchte auch sehr beliebt, die es natürlich schon zum ersten Mittagessen ausführlich zu genießen gab: doch da war sie wieder: die Pilgermuschel!

Die Klimaanlage hatte die Konferenzräume soweit heruntergekühlt, dass ich meinen Kollegen um sein zweites Sakko ersuchen mußte.

Meine Annahme war, dass es informeller zugehen würde. Somit hatte ich dann doch noch das richtige Outfit für die Panneldiskussion.

Der Kopf rauchte bzw. gefror soweit, dass ich anschließend doch noch einen Spaziergan durch die Schanghaier Fußgängerzone machen musste- einige Minuten „dumm schauen“ erfrischt den Geist doch wieder vor dem Konferenzdinner

.Auch anderer Pilger waren auf den Straßen der Stadt zu sehen 😉

Am zweiten Tag traf ich gleich zum Frühstück einen Kollegen aus Korea, der im Büro in Schanghai seit mehr als zehn Jahren arbeitet. Leider kann er nicht beim Besuch meinerseits im Büro am darauffolgenden Tag dabei sein aufgrund einer Operation seiner Tochter. Da wir beide seit Jahren gut zusammenarbeiten, wollten wir uns trotzdem sehen. Dir Diskussionen gingen weit übers Berufliche hinaus.
Die Konferenz musste somit für mich etwas später beginnen, nahm dann mit einem Vortrag von mir zum Schluss und der Frage-Antwort-Session sein Ende.

Der Abend war nun das erste Mal dafür da, etwas durch die Stadt zu schlendern. Die mitgehenden firmenübergreifenden Kollegen fanden gleich in der Fußgängerzone ihren Pilgerort: der Huawei-Kollege erklärte uns die Symbiose von Auto und Kommunikationstechnik-Freaks: wir mussten uns mal ansehen, wie deren Pilgererlebnis aussieht.

Wir marschierten gleich weiter zur Stadtszenerie, Pilgerhöhepunkt für Fotografen.

Auf dem Rückweg war eine Stärkung angesagt: lokale Küche. Nein, ich habe nicht alles verspeist auf dem Tisch: wir waren zu sechst; der Rinderpansen blieb aber für mich allein – der Vergleich zur Trippa alla Romana von der Romreise inklusive – etwas mehr scharf in China als in Italien.


Der Abend klang dann im 65. Stock in der Hotelbar aus- Blick über Schanghai nach allen Seiten mit dem Aperol, finanziert aus dem Gutschein vom Hotel – so was ähnliches blieb mir in Rom in der Bar mit Blick übers Forum verwehrt.


Der Freitag war dem AUMOVIO-Büro vorenthalten. Bei 30 Grad am Morgen machten wir uns auf mit der Metro. Michael fungierte als Guide, da er bereits am Montag das Büro aufgesucht hatte.

Die Kollegen hatten zu Mittag einen Tisch in einem nahe gelegenen Restaurant gebucht, sodass wir die lokale Küche gemeinsam kosten können. Die Ente selbst in Teig gerollt war mein klarer Favorit nach meinem Motto: Alles Ente! Auch Fisch, Schwein, Gemüse und Tofu sus Sechuan und Kantonküche schmeckten hervorragend.


Auf dem Weg sprach ich mit einen jungen Kollegen, der nächste Woche heiratet: er bat mit um Videogrüße zu seiner Hochzeit zu schicken. Er erklärte mir dann, wie chinesischen Hochzeiten stattfinden. Bei ih kommt eine Gesellschaft aus Familie und Freunden von etwa 50 Personen zusammen. Er ist Einzelkind aus einer Stadt 1000 km entfernt zwischen Schanghai und Chongqing, seine Frau hat 3 Geschwister und kommt aus einer Stadt 100 km von Schanghai entfernt. Die Feier dauert 2 1/2Tage.
Die Abendgestaltung drehte sich um den Shanghai-Turm, dem dritthöchsten mittlerweile auf der Welt. Er musste seine Position als höchster Turm der Welt abgeben, nachdem höhere in Indonesien und am Golf gebaut wurden. Ohne Reisepassdokument ist eine Fahrt hinauf auf die baulich geschlossene Aussichtsplattform nicht möglich. Der 360-Grad-Blick bei Nacht ist atemberaubend, die Bilder am Mobiltelefon bilden es jedoch nicht den Eindrücken entsprechend ab, da Spiegelungen in den Scheiben und der bebaute Turmkern mit dem stabilisierendem Pendel die fotografische Abbildung nicht so treffend wirken lassen wie das Erleben in Wirklichkeit


Danach machte ich mich auf ins Hotel. Ich fühlte mich schließlich nach all dem Essen wieder eine gestopfte Weihnachtsgans. Auch die anstrengenden Woche ud die ständig vielen Mensvhen verlangten in mir eine Rückzugspause von einem weiteren üppigen Abendessen zusammen mit der Konferenzbubble. Im Hotel angekommen erblickte ich das Geschenk des Hotels für meine Kinder: ein Teddybär und eine Ente für die „Jüngsten“. Ich werde sie fragen, inwieweit sie sich darüber freuen oder ob ich sie für spätere Generationen als Andenken aufheben soll 😉.

Am nächsten Morgen nach ausreichend Erholung war nun die Zeit für ein paar Bahnen im hoteleigenen Schwimmbad auf der Platform des 10. Stocks. Über die verglaste Decke konnte ich die Spitze des Gebäudes mit 65 Stockwerken sehen, die Seitenfensterfronten gaben den Blick auf die Stadtsilhouette von Schanghai frei: schwimmend die Stadt betrachten, auch eine Form des Sightseeings. Leider war es nicht angebracht, dort aufgrund von Einschränkungen von Fotowerkzeugen und Schwimmbadregeln, dies auch fotographisch zu dokumentieren. Dokumentieren konnte ich dann das Frühstück des ausgehungerten Schwimmers.

Wir starteten wieder im verbliebenen Autosartross mit Joachim, Michael, Nadym , Steffen, Christian und mir zum Yu-Garten. Gleich nahe dem Hotelnauf sem Wegnzur U-Bahn befand sich eine christlich konfessionslose Backsteinkirche.


Der Weg zum Garten zog sich durch ein altes und einzig verbliebenes Viertel von Shanghai aus den 1920er Jahren bei drückender Schwüle. Der Garten zeigt verschiedene alte Pflanzen und Gebäude – z. B. alte Ginko und Buchsbäume.



Anschließend gingen wir weiter zum buddhistischen Jing’an-Tempel, für eine Spende von 50 Yuan mit Alipay wurde uns Einlass gewährt. In der Mitte des Tempelareals stand ein etwa 10 Meter hohes Eisengefäß, worin die Besucher Geldmünze warfen. Wir betiligten uns auch an der zusätzlichen „Spendensammlung“ mit Spasseffekt – Trevi-Brunnen-Feeling ins Schanghai – vielleicht kommen wir ja wieder.

Guanjin ist eine weibliche Göttin der Barmherzugkeit und des Mitgefühls. Sie taucht in verschiedensten asiatischen Lädern und Religionen auf. Die asiatischen Religionen scheinen weit mehr aufgeschlossen zu sein für Einflüsse von Nachbarreligionen, weit mehr als wir von den verschidenen Ausprägungen im Christentum untereinander kennen.

Als weiterer Höhepunkt des Tempels besichtigten wir die 8 m große Buddaststue. Im Anschluss stellten sich die Kollegen ein Mittagessen beim Thailänder im nahen Park vor, den sie von der letzten Autosar-Konferenz in Schanghai kannten, doch es sollte nichts daraus werden, da der komplette Park sich im Umbau befand. Also schlurften wir weiter zu dem auch vom letzten Besuch bekannten Italo-Chinesen; Feigen mit geräucherten Entenbrustscheiben und Tagliatelle Porcini hellten die Laune auf und die Pause ließ Beine und Füße erholen. Zeitlich passte es perfekt, um den dinsetzenden starken Regen zu überbrücken und anschließend die angenehme Frische der Luft zu genießen.

Nach einem Standl-Espresso machten wir uns auf zurück Richtung Hotel, da wir das nahegelegene Schanghai-Museum besuchen wollten. Dieses war jedoch kurz vor Schlieung bei unserer Ankunft; also schlenderten wir im nahe gelegenen Park, wo Wasserspiele im Gange waren,

tranken ein Bier, kauften letzte Mitbringsel und begaben uns zum finalen chinesischen Abendessen.


Danach konnten wir aufbrechen zum Flughafen. Obwohl unser Flug für nach 2 Uhr morgens angekündigt war, brachen sir schon gegen halb 10 zur etwa 70- Minütigen fahrt auf auf – die Metro fuhr bis etwa 23 Uhr – wir verstanden auch am Flughafen wieso: nur wenig war dort noch los, gerade so viel, dass wir vor Ladenschluss noch ein Schlummertrunkbier ergattern konnten.
Was waren nun die interessanten Erfahrungen?
1) Viele Menschen sind um einen herum: in Shanghai oder Chongqing leben je etwa 200 Mal so viele wie in Regensburg. Rückzug, um ohne Menschen zu sein fällt schwer.
2) Die Chinesen lieben das Essen.
3) Ein starker Eingriff des Staates ins Leben der Menschen findet auf eine subtile weise statt durch die digitale Überwachung: z. B wird jedes Auto bei einer Kreuzung fotografiert.
4) Pragmatismus, Direktheit, Höflichkeit, Zusammenhakt – so würde ich die Werte beschreiben, die ich im Leben und in der Firma gesehen habe.
5) Auf der Konferenz hatte es ein Sprecher einer chinesischen Firma so formuliert: „Alone you can walk fast- together you can come far“. Die Chinesen versuchen es im ständigen Ausbalanzieren zwischen den beiden Polen von Geschwindigkeit und Schwungmasse.
Verglichen mit den Reisen nach Singapur reihte sich dieser Trip darin ein, wobei es doch eine Stufe „chinesischer“ wurde in politischer und kultureller Hinsicht. Wen man den Städtevergleich nach Europa übertragen müsste, würde vielleicht das Schanghaier Pendant Barcelona sein und das Chongqinger Prag – zumindest von der Geographie her vielleicht auch von der Mentalität- mediteran versus kontinental.

PS: Leider ereilte mich gleich bei der Ankunft eine Grippe, die mich die nächsten Tage flach legte.

Thank you so much for the video, Thomas. It was truly spot on and very meaningful to me. Your experience-based insights about marriage, relationships, and raising children were really valuable and heartfelt.
What made it even more special was that it was played as the opening video right before our wedding ceremony. Ending with your warm wish—“enjoy your marriage party”—and then immediately starting the wedding was just perfect. It created such a powerful and emotional atmosphere for everyone there.
I’m truly grateful for your effort and kindness.